Jahrgang 
2 (1860)
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Schloß Tannenſee.

nach:Hütet Euch, daß Ihr mir nicht wieder in den Weg kommt das nächſte Mal fehl' ich Euch ſicher nicht! Und wollt Ihr mich etwa fangen und in den Thurm werfen laſſen, ſo ſollen es alle Leute wiſſen, daß Ihr der Mörder meiner Frau ſeid!

In meinem wilden Haß lauerte ich ihm mehrmals auf, traf ihn aber nie. Und als ich ſpäter hörte, daß er Befehl gegeben, mich fortzuweiſen, wenn ich das Schloßrevier betrete, da hatte meine Vernunft ſchon die Ober⸗ hand gewonnen. Ich beſchloß, die Rache Gott zu überlaſſen. Geyer ſchwieg einige Minuten, gleich als ob er milderen Gefühlen Raum in ſeinem Herzen geben wollte, und fuhr dann mit ſchmerzlichem Tone fort:Ich war noch jung die Leute im Dorf wollten mich ſpäter zu einer neuen Heirath bereden, allein ich wies alle Verbindungen, die mir vorgeſchlagen wurden, von der Hand ich hatte meine Anna zu ſehr geliebt. Vor Zeiten träumte ich von blühenden, kräftigen Söhnen, die mir im Alter hätten zur Seite ſtehn und die Muͤhle, in der meine Vorfahren ſeit mehr als zwei⸗ hundert Jahren gelebt, wieder annehmen können damit iſt es nun aus.

Bin ich todt, ſo kommt alles, was ich beſitze, an fremde Leute. Seht, ſo

iſt der Oberſt der Vernichter meines Glücks geworden, ſchloß Geyer ſeine Erzählung;ſollt' ich den nicht haſſen und verabſcheuen? Und am Ende muß ich doch Gott danken, daß ich dazumal meine wilden Rachepläne nicht ausgefuͤhrt habe ſein Tod hätte mich nur noch unglücklicher gemacht.

Georg hatte der Exzählung des Müllers mit der größten Theilnahme gelauſcht, und als dieſer geendet, drückte er ihm ſchweigend die Hand. Dann ſchaute er nachdenklich vor ſich nieder und ſprach halblaut vor ſich hin: Nun weiß ich, weßhalb mein Herr nach dem unheimlichen See wandert und ſtundenlang in die dunklen Fluten ſtarrt. Er iſt unglücklicher und bemitleidenswerther, als ich glaubte! Wenn meines Herrn Sohn noch lebte, fuhr er mit lauterer Stimme fort,ſo hätten wir vielleicht noch einmal beſſere Zeiten zu erwarten, aber damit iſt es nun auch aus. Würde der Todte auferwecken können? ſtieß Geyer mit neu aufloderndem Haß hervor.Wir wollen Gott danken, wenn wir recht bald einen andren Herrn bekommen dann quält mich doch der Gedanke nicht mehr, daß ich Tag für Tag eine und dieſelbe Luft mit dem Mörder meiner Anna ath⸗ men muß!

Während dieſer Reden war es längſt Nacht geworden. Georg erhob ſich, wunſchte dem Müller gute Nacht und ſchritt langſam dem Schloſſe zu. Geyer ſchaute ihm in ſeltſamer Aufregung nach: ſeine Lippen zuckten, und