18 Schloß Tannenſee.
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Während des Winters war das Kloſter wegen ſeiner einſamen Lage mit den Beſuchen der Kriegerſchaaren faſt ganz verſchont geblieben, und die Priorin mit den Schweſtern hatten der Hoffnung Raum gegeben, daß die Geruchte von einem baldigen Frieden ſich beſtätigen wuͤrden; allein mit dem Eintritt der beſſern Jahrszeit hatten ſich auch die verſchiedenen Truppen⸗ abtheilungen von Freund und Feind wieder in Bewegung geſetzt, und das Kloſter durfte nicht hoffen, daß die neu ſich erhebenden Sturme wirkungs⸗ los vorüberziehen würden. Daß die Geſpräche der Bewohnerinnen des Kloſters ſich oftmals ausſchließlich um die Kriegsereigniſſe drehten, war demnach nicht zu verwundern, und auch heute vermochte die bekümmerte Priorin nicht, dem fröhlichen Geplauder der anmuthvollen Johanna, die mit kindlich heitrem Sinn in die Zukunft ſchaute, ihre Aufmerkſamkeit zu ſchenken. Sie hatte von einem Bauern aus dem Dorf erfahren, daß in das nächſte Städtchen wieder ein beträchtliches Truppenkorps eingerückt war; wohin daſſelbe ſeinen Weg nehme, ob es Schweden oder Kaiſerliche, Freunde oder Feinde ſeien, wußte der Landmann nicht zu ſagen. Im Grunde war dies auch einerlei, denn mitunter hausten die Freunde ärger als die Feinde.
Die Priorin, die es ſich zur ſtrengen Regel gemacht hatte, die Einen wie die Andern, wenn ſie Quartier verlangend in den Kloſterhof gezogen kamen, auf's freundlichſte zu bewirthen und alle ihre Geld⸗ und Proviant⸗ forderungen, ſo weit es möglich war, zu erfüllen, rief den alten Gärtner Bering, der die Blumen begoß, und trug ihm auf, ſeinen Sohn oder den Knecht nach dem Dorfe zu ſchicken und Lebensmittel von dort zu holen. Der Gärtner, eine kräftige Greiſengeſtalt mit wettergebräunten Zügen, er⸗ widerte ſeiner Gebieterin, daß ſein Heinrich und der Knecht nebſt den Mäg⸗ den auf dem Felde arbeiteten, daß er aber ſelbſt nach dem Dorfe gehen und das Nöthige mit einem oder zwei Bauern herbeiſchaffen wolle. Die Priorin war damit zufrieden, und der Gärtner wanderte von dannen.
Da die Strahlen der Sonne allgemach drückend zu werden begannen, ſo begab ſich die Priorin mit ihrer Nichte— denn für eine ſolche galt Johanna— in den großen kühlen Gartenſaal, deſſen Wände mit gewirkten Tapeten bedeckt und mit den Bildniſſen ſämmtlicher ehemaligen Oberinnen des Kloſters geſchmückt waren. Hier nahm ſie in einem bequemen Lehnſtuhl Platz und bat Johanna, ihr einige Seiten aus einer alten vaterländiſchen Chronik vorzuleſen, in der gar ſchöne Geſchichten und Sagen ſtanden. Jo⸗ hanna nahm den rieſigen Band und begann zu leſen. Ihr klare Stimme klang wie ein Glöcklein durch den weiten Saal, durch deſſen offene Thuͤren


