12 Schloß Tannenſee.
lag, während deſſen er unaufhörlich irre redete, ſo konnte ich ihn nicht von dieſem Schritt in Kenntniß ſetzen; ſpäter war es mir ſogar lieb, daß ich es nicht vermocht, denn ich glaubte, daß er vielleicht alles zuruͤckbehalten haben würde, um die Entdeckung einer That zu verhindern, welche ihn ſo furcht⸗ bar aufgeregt hatte. Ob die Rittmeiſterin meine Sendung erhalten, weiß ich nicht— ich habe niemals wieder etwas von ihr gehört.
„Als mein Herr vollkommen hergeſtellt war, fragte er mich eines Morgens in ſichtlicher Aufregung, die er vergebens hinter einer kalten, finſte⸗ ren Miene zu verbergen ſuchte, was ich an jenem Abend mit der Leiche des Rittmeiſters angefangen habe— es ſchmerze ihn tief, daß ſeinem Gegner kein ehrliches Begräbniß zu theil geworden ſei. Es war das erſtemal, daß er von dem ungluͤcklichen Zweikampf ſprach. Ich erzählte ihm ohne Rück⸗ halt, was ich gethan, und nannte ihm auch den Wohnort der Rittmeiſterin, den ich aus den Briefen erſehen.— Er hörte mich mit ſcheinbarer Ruhe an und ſchaute lange ſchweigend vor ſich hin; dann wandte er ſich plötzlich zu mir, packte mich beim Arm und rief mit unheimlich glühenden Augen: „Hältſt du mich für einen heimtückiſchen Mörder, Georg?“
„Obgleich ich dazumal noch immer den Gedanken nicht los werden konnte, daß mein Herr unehrlich gekämpft habe, verſicherte ich dennoch in meiner Angſt, daß mir ſo etwas nicht in den Sinn komme. Er ſchien durch meine Antwort befriedigt zu ſein, und ſeit der Zeit war nie wieder die Rede von dem unſeligen Zweikampf. In dem Kriegsgetümmel vergaß ich den Vorfall, und als wir ſpäter hieher zuruͤckkehrten, verurſachte mir die Nach⸗ richt von dem unterdeſſen erfolgten Tode der Gattin und des Sohnes meines Herrn, die ich Beide verehrt und geliebt, ſolchen Schmerz, daß ich jahrelang nur an die beiden dahingeſchiedenen Weſen dachte, welche mein Herr mit ſeiner früheren Härte einſt von ſich geſtoßen hatte, obgleich ſie ſo gut und hold wie Engel Gottes im Himmel waren. Erſt heute Nachmittag beim Säubern der Waffen riefen mir die heftigen Worte meines Herrn die ſchreck⸗ lichen Vorgänge jener Nacht ernſtlich ins Gedächtniß zurück, und aus ihnen, ſowie aus ſeinem ganzen Verhalten und Treiben während der letzten Jahre muß ich ſchließen, daß er unabläßig an ſeine That gedacht und daß dieſe ihm die heftigſten Gewiſſensbiſſe verurſacht. Nun kann ich mir auch mehrere ſeiner Selbſtgeſpräche und ſeine abgeriſſenen Worte im Schlaf erklären, in denen er betheuerte, daß er Nacht und Tag vor Angſt keine Ruhe finde und daß er ſtets ehrlich gekämpft habe. Ich bemitleide ihn jetzt von ganzem Herzen und bin überzeugt, daß ich einen ſehr ungerechten Verdacht gegen
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