Jahrgang 
2 (1860)
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10 Schloß Tannenſee.

wehrlos geworden.Und das werd' ich in alle Ewigkeit glauben! unterbrach Geyer den Erzählenden mit wilder Heftigkeit.

Hört mich nur ruhig an, verſetzte Georg;Ihr werdet dann hoffentlich von dieſem ungerechten Verdacht zurückkommen. Die letzten verzweiflungsvollen Worte, welche der Rittmeiſter ausgeſtoßen und die mir noch im Ohre gellten, fuhr er fort,veranlaßten mich, ſeine Papiere und ſein Geld an mich zu nehmen, damit ſeine Kameraden alle ſeine Habſelig⸗ keiten von Werth ſeiner Gattin ſenden konnten, deren Aufenthaltsort ſicher⸗ lich aus den erſteren zu erſehen war. Dann trug ich die entſeelte Hülle in das Waldesdickicht, bedeckte ſie mit Laub und Moos und Reiſern und ritt, das Pferd des Gefallenen am Zügel führend, nach der Stadt zurück.

Als ich in dem Hauſe anlangte, wo mein Herr und ich im Quartier lagen, fand ich dieſen daſelbſt nicht vor. In der Meinung, er habe ſich nach dem Gaſthaus begeben, wo der Streit vorgefallen war, um den Offizieren, welche dort wahrſcheinlich noch zechten, den Ausgang des Zweikampfes mit⸗ zutheilen, führte ich das Pferd des Rittmeiſters nach deſſen Quartier und kehrte dann heim. Es verging eine Stunde und noch eine mein Herr erſchien nicht. Mir kamen allerlei ſeltſame Gedanken, und endlich begab ich mich nach dem Gaſthofe. Dort war längſt alles ſtill. Der ſchlaftrunkene Wirth ſagte mir, die Offiziere ſeien ſchon vor einer Stunde aufgebrochen, und mein Herr habe ſich nicht wieder ſehen laſſen. So ging ich denn wieder heim mein Herr war noch nicht da.

Gegen Mitternacht kam er endlich angeſprengt. An dem mit Schweiß und Staub bedeckten todmüden Pferde merkte ich, daß er einen Ritt von mehreren Stunden gemacht haben müſſe. Sein Geſicht war todtenbleich und die irren Blicke, mit denen er mich anſchaute, flößten mir ein ſolches Grauen ein, daß ich keine Frage an ihn zu richten wagte. Er ſprach ebenfalls kein Wort mit mir, ſondern warf ſich angekleidet auf ſein Lager, wo er vor übergroßer Erſchöpfung bald in einen todtenähnlichen Schlummer ſank. Ich begab mich ebenfalls zur Ruhe, konnte aber nicht einſchlafen, da das Bild des erſtochenen Rittmeiſters mir ſtets vor Augen ſchwebte und ſein Verzweif⸗ lungsſchrei mir fort und fort im Ohre klang.

Eine Stunde mocht' ich etwa ſchlummerlos dagelegen haben, als ich plötzlich in weiter Ferne einzelne Schüſſe zu hören meinte. Ich ſprang auf und horchte nein, es war keine Täuſchung. Das Musketenfeuer dauerte fort und kam immer näher; die Kaiſerlichen mußten unſere Vorpoſten an⸗ gegriffen haben. In demſelben Augenblick wirbelten auch ſchon die Trommeln

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