Jahrgang 
2 (1860)
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Von Eduard Ziehen. 7

Spannung umklammernd.Carl von Wendenberg hieß er, entgegnete jener erſtaunt über die Heftigkeit des Müllers.Warum fällt Euch ſein Name denn ſo auf?

Geyer hatte ſich raſch gefaßt. Er fuhr mit der Hand über die Stirn, nahm ſeinen Platz wieder ein und verſetzte mit anſcheinender Gleichgültig⸗ keit:Der Name erinnert mich an eine andere Geſchichte erzählt nur weiter. Ihr wißt, ich höre ſolche Scenen aus Eurem Kriegsleben gar gern.

Da Ihr ſo erbittert gegen meinen Herrn ſeid, fuhr Georg fort,ſo halt' ich es für Pflicht, Euch die Geſchichte von dieſem Zweikampf und deſſen Folgen zu erzählen. Ihr werdet dann ſelbſt ſagen müſſen, daß er mehr Euer Mitleiden, als Euren Haß verdient. Als wir mit dem Herzog Chriſtian von Braunſchweig zwiſchen Weſer und Rhein umherzogen, ging es oft recht wild und toll her, nachdem wir eine Stadt oder eine Burg eingenommen hatten und die reiche Beute vertheilt worden war. Die Offiziere mehrerer Reiterregimenter pflegten faſt allabendlich, wenn der Dienſt ſie nicht rief, mit einander zu würfeln und zu zechen, wobei es oft Händel aller Art gab. Eines Abends es war im Monat Mai, kurz nach der Erſtürmung eines kleinen Städtchens, deſſen Namen ich vergeſſen habe ſaß mein Herr mit zehn bis zwölf ſeiner Kameraden in dem alterthümlichen Schenkzimmer des vornehmſten Gaſthauſes, welches der Ort aufzuweiſen hatte. Es ward wacker gezecht und gewürfelt, und je näher die Nacht heranrückte, deſto lauter und ſtürmiſcher ging es drinnen zu.

Unter den Offizieren befand ſich auch ein Landsmann meines Herrn, der vorhin genannte Rittmeiſter Carl von Wendenberg, der aus einer Familie ſtammte, welche ſeit uralten Zeiten mit der von Rodenſtedt in ſteter Feind⸗ ſchaft gelebt, weil beide von jeher um den Vorrang am Hofe des Landes⸗ herrn geſtritten hatten. Dieſer Haß hatte ſich auch auf die letzten männlichen Nachkommen beider Familien vererbt; mein Herr haßte den Rittmeiſter, weil dieſer ihm, wie man ſagte, bei der Bewerbung um ein ſchönes Mädchen zu⸗ vorgekommen war, und der letztere grollte meinem Herrn, weil der ihm eine Stelle im Regimente weggeſchnappt hatte, auf welche er ſicher gerechnet. Längere Zeit hindurch hatten die beiden Regimenter, in welchen mein Herr und der Rittmeiſter ſtanden, ziemlich weit von einander operirt; ſeit einigen Tagen aber war die geſammte Kavallerie zuſammengezogen worden, und ſo konnte es nicht fehlen, daß die beiden Feinde mitunter in Berührung kamen. Ausweichen mochte keiner dem andern das ließ ihr Stolz nicht zu. Ein unglücklicher Zufall führte ſie an jenem Abend in daſſelbe Haus, und der