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6 Schloß Tannenſee.
und vom Kirchdorfe klangen die klaren Töne der Vesperglocke herüber— ſonſt war weit und breit kein Laut zu vernehmen. Geyer war kein Freund der Einſamkeit, da ſie ſtets trübe Gedanken in ihm erweckte, und ſo freute er ſich, als er den alten Georg vom Schloſſe daherkommen ſah— den Ein⸗ zigen, mit welchem er reden konnte, wie es ihm um's Herz war.
Der letztere war jedoch heute ungewöhnlich ernſt und ſchweigſam, und als der Müller ihn nach der Urſache fragte, erwiderte er:„Mein Herr hat heute wieder einen ſolchen Anfall von Verzweiflung gehabt, daß mir's angſt und bange wurde.“—„Nun, einige Reue kann Eurem Herrn nicht ſchaden, Georg,“ verſetzte Geyer höhniſch.„Hätt' ich ſo viel Böſes auf meinem Gewiſſen wie er, ich ſtürzte mich gleich in den Mühlteich!“—„Ihr thut nicht recht daran, ihn ſo zu verdammen,“ erwiderte Georg.„Seitdem ich weiß, weßhalb er ſo ſchwermüthig und zerknirſcht iſt, bedaure ich ihn von ganzem Herzem. Er möchte das Unrecht, das er einſt begangen, gern wieder gut machen und kann es nicht.“—„Das glaub' ich wohl!“ rief der Müller mit Bitterkeit aus.„Wollt' er all' die Frevel, die er verübt, wieder gut machen, ſo würde er in dieſem Leben nimmermehr damit fertig werden! Ueberdies gibt es Frevel, bei welchen ſo etwas unmöglich iſt. Das Herze⸗ leid, welches er mir angethan hat, iſt wenigſtens der Art, daß er's auf Erden und im Himmel nicht wieder gut machen kann.“
„Vorhin gab er mir den Befehl, ſeine Waffen von Roſt und Staub zu reinigen,“ fuhr Georg fort, ohne Geyers Worte zu beachten.„Nachdem ich ſeine Büchſen geſäubert hatte, wollt' ich auch die Hiebwaffen zur Hand nehmen. Ich langte nach einem Degen, welcher im Hintergrund des Waffen⸗ ſchrankes hing— aber plötzlich ſprang mein Herr auf mich los, riß mir denſelben aus der Hand, ſchleuderte ihn in einen Winkel des Zimmers und rief mit unheimlicher Heftigkeit:„Rühr' dieſen Degen niemals wieder an! Das iſt die Mordwaffe von jenem Abend, deſſen furchtbare Bilder mich noch heute verfolgen!“— Erſchrocken ſchwieg ich, ergriff ein paar Piſtolen und eilte damit hinaus; mir graute faſt vor meinem Herrn— ſo entſetzlich ſah er in ſeinem Schmerz und in ſeiner Angſt aus. Als er aber eine Stunde ſpäter das Zimmer verlaſſen hatte, ſchlich ich mich in die Ecke, wo der Degen lag, betrachtete ihn genauer und erkannte ihn als denjenigen, welchen mein Herr an dem Tage getragen, wo er einen jungen Reiteroffizier im Heere Chriſtians von Braunſchweig, Namens Carl von Wendenberg, erſtochen—.“ —„Wie hieß der Offizier, welchen der Oberſt erſtochen?“ rief Geyer auf⸗ ſpringend und den Arm Georgs mit funkelnden Augen und in athemloſer
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