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Von Eduard Ziehen. 3
ſeines Schwiegervaters wieder in einen blühenden Zuſtand zu verſetzen und herrlich und in Freuden leben zu können, der letztere aber nicht geneigt war, die maßloſen Forderungen des Verſchwenders zu erfüllen, ſo begann dieſer ſeine arme Gattin mit einer ſolchen Härte zu behandeln, daß ſie ſich endlich gezwungen ſah, auf eine Trennung der Ehe anzutragen. Ihr Vater, welcher nur mit Widerſtreben ſeine Einwilligung zu dieſem Schritt gegeben hatte, ſtarb, noch ehe die Scheidung ausgeſprochen war; ihr Bruder aber, der mehrere heftige Auftritte mit ſeinem Schwager gehabt hatte, betrieb dieſelbe auf's nachdrücklichſte, und wußte den letzteren auch dahin zu bringen, daß er den einzigen Sohn, welchen ihm ſeine Gattin geſchenkt und an welchem ſein Herz ebenſo wenig hing, als an der Mutter, dieſer zur Erziehung überließ.
An ein geräuſchvolles, bewegtes Leben gewöhnt, vermochte er die tiefe Einſamkeit auf ſeinem öden Schloß nicht lange zu ertragen, und der dreißig⸗ jährige Krieg bot ihm eine erwünſchte Gelegenheit dar, ſich wieder in das Weltgetümmel zu ſtürzen. Er trat in das Heer des wilden Chriſtian von Braunſchweig, zog mit ihm von Land zu Land und focht überall tapfer mit. Nach dem Tode deſſelben ſchloß er ſich an den König Chriſtian IV. von Dänemark an und kehrte nach deſſen Niederlage bei Lutter am Barenberge mit dem Range eines Oberſten und mit einer nicht unbedeutenden Summe, welche er aus dem ihm zugefallenen Beuteantheil gelöst hatte, auf ſein Schloß zurück.
Die Nachricht, welche er bei ſeiner Rückkehr vorfand, daß ſeine Gattin zwei Jahre nach der Scheidung geſtorben und daß ſein Sohn ihr nicht lange darauf ins Wrab gefolgt ſei, machte anfangs nur einen ſehr geringen Ein⸗ druck auf ihn; nach und nach aber begann er es zu bereuen, daß er ſich dazu verſtanden, ſich auch von ſeinem Sohn zu trennen, welcher— ſo wähnte er— vielleicht am Leben geblieben wäre, wenn er ihn bei ſich behalten hätte. Der Gedanke, daß ſeine Beſitzung nach ſeinem Tode in fremde Hände kommen werde, war es vor allem, welcher ihn je länger je mehr ſchmerzte.
Etwa ſechs Monate nach ſeiner Heimkehr aus dem Kriege erſchien eines Tages der Bruder ſeiner verſtorbenen Gattin bei ihm, und obgleich nicht das Geringſte über den Zweck dieſes unerwarteten Beſuches bekannt wurde, ſo ließ ſich doch aus vielfachen Verbeſſerungen und Verſchönerungen der Be⸗ ſttzung des Oberſten vermuthen, daß dieſer ſich mit ſeinem Schwager ver⸗ ſöhnt und daß der letztere ihm eine bedeutende Summe vorgeſchoſſen habe. Um ſo auffallender war es daher, daß ſich der Oberſt nicht lange darauf über ſeinen Schwager, von dem er anſcheinend im beſten Einvernehmen
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