die unſern Leſern ſchon bekannt, ſind hier in zweiten Auflagen erſchienen, was uns für den Verfaſſer und das Publi⸗ kum lieb iſt. Wir wollen ſie wieder⸗ holt empfohlen haben.
Julie Burow, Laute Welt— ſtilles Herz. Novelle. Bromberg. Levit. 1860. Eine Erzählung aus den Tagen, als Preußen unter der Franzo⸗ ſenherrſchaft ſchmachtete, fortgeführt bis zum Kriege von 1812, bis zur Belage⸗ rung und endlichen Einnahme Danzigs durch die verbündeten Truppen. Es iſt, wie wir es von der Verfaſſerin gewohnt ſind, eine recht brave Arbeit, der Stoff iſt gut erfunden und geſchickt benützt, die auftretenden Perſonen meiſtens ſcharf gezeichnet. Nur kommen auch hier wie⸗ der ein paar gar zu düſtere Situatio⸗ nen vor und trüben den Eindruck des Buchs.
J. Burow, Das Glück eines Weibes. Bromberg. Levit. 1860. Das Buch enthält die Vorleſungen, welche die Verfaſſerin in Bromberg und Dan⸗ zig vor einem großen Publikum hielt. Sie redet darin über das„Glück des Weibes,“ worin man es ſucht, worin es beſteht, wie man es erlangt und er⸗ hält. Auch ſie kommt auf die hochwich⸗ tige Frage, welche endlich beginnt, die wirklich tüchtigen Frauen ſo gut wie Männer ernſtlich zu beſchäftigen, welche die Leſer der Hausblätter kürzlich in Fanny Lewalds Briefen angeregt fan⸗ den, auf die— Emancipation der Frauen zur Arbeit. Die Frauen ſollen und müſſen lernen, ſich ſelber zu ernähren, bei uns daheim ſo gut, wie es anderwärts ſchon längſt begonnen iſt. Natürlich iſt's, daß die Verfaſſerin in
dieſen Vorleſungen nicht erſchöpfend über ihren Gegenſtand ſpricht, ſondern vieles nur anführt, berührt. Deſſenungeachtet findet man viel Inniges und Warmes, Gutes und Beherzigenswerthes in dem Buch und wird es ſicher nicht unbefrie⸗ digt aus der Hand legen.
A. Traeger, Uebergänge. No⸗ velle. Leipzig u. Heidelberg. Winterſche Buchhandlung. 1860. Der Verfaſſer ſpricht in der Widmung an einen Freund aus: derſelbe habe ſtets Anlage zum No⸗ velliſten in ihm vermuthet, während bis⸗ her doch noch keine ſolche Arbeit ent⸗ ſtanden ſei. Hier liege nun der erſte Verſuch vor.— Wir geſtehn bereitwillig zu, daß das Büchlein viel Gutes ent⸗ hält. Der Stoff iſt, wenn auch nicht neu, doch gut erfunden und geordnet, die Perſonen ſind ſorgfältig gewählt und genau beſtimmt,— wir möchten ſagen: der Ausarbeitung iſt eine ausgezeichnete Dispoſition vorausgegangen. Und deſ⸗ ſenungeachtet iſt das Buch kalt und läßt kalt, kunſtreich und ohne Leben. Denn es iſt nicht mit dem Herzen, ſondern mit dem Verſtande geſchrieben, nicht aus innerem Trieb, ſondern aus Be⸗ rechnung. Das ſieht man deutlich an ein paar Stellen, wo das„Herz“ den Verſtand fortriß, und wo der Verfaſſer dann auch wahrhaft Schönes erſchaffen hat. Der Verf. ſagt in jener Widmung: nicht das Erzählen ſei die Hauptſache, ſondern das, was aus dem Erzählten ſich erklärt— ein Satz, dem wir nur in ſehr beſchränktem Maße beipflichten können. Wenigſtens erſchafft man, un⸗ ſerer Ueberzeugung nach, auf dieſen Grundſatz hin keine poetiſchen, ſondern nur kunſtreiche Werke.


