Jahrgang 
1 (1860)
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II

Sommernacht, von H. v. Blomberg eine Perle! Prinz Louis Ferdinand, von Th. Fontane, und endlich das Bruch⸗ ſtück: Das Gewitter, von E. Geibel. Doch wollen wir auch hiermit die übri⸗ gen Gedichte keineswegs zurückſetzen; es gebricht nur der Raum, auch andere anzuführen. Den Schluß machen, wie üblich, Fr. Eggers' geiſtvolle Er⸗ läuterungen zu den Bildern. Möge dies Buch noch manche Jahre uns er⸗ freuen.

K. v. Holtei, Die Eſelsfreſſer. 3 Bde. Breslau. Trewendt. 1859. Die ECſelsfreſſer ſind keine ferne, wilde Völkerſchaft, auch keine civiliſirten Menſchen mit ſo beſonderen Fleiſchge⸗ lüſten, ſondern die Landsleute des Ver⸗ faſſers, die Schleſier, die hie und da dieſen Beinamen erhalten, ohne daß es bisher gelungen ſcheint, den Grund die⸗ ſer Benennung aufzufinden. Der treff⸗ liche Peter Fiebig, der Leibdiener des Helden, geht wenigſtens im Buche ver⸗ geblich von Pontius zu Pilatus und fragt bei allen Schriftgelehrten um⸗ ſonſt an in ſeiner höchſt gerechtfertigten Entrüſtung. Keiner führt ihn zum rechten Ziel. Das Buch enthält die Lebensgeſchichte eines Herrn Eduard von Walter, eines im Ganzen genom⸗ men guten und braven Menſchen, eines Menſchen, wie es unzählige gibt, der entſchieden zu ſchwach iſt für das, was das Geſchick ihm auferlegt, viel⸗ fältig ſtrauchelt und irrt und erſt nach langen Kämpfen, nach ernſten Schick⸗ ſalen das rechte Glück der innern Ruhe und Klarheit findet. Das iſt der Kern des Buchs, und da wir hier nicht auf Einzelheiten eingehen können, müſſen

unſere Leſer ſich damit begnügen, bis ſie ſelber die Entwicklung dieſes Kerns leſen. Denn man muß dies Buch leſen, um des alten Freundes Holtei willen, um zu ſehn, wie munter dieſer Geiſt, wie warm dies Herz, wie neu und friſch dies unvergleichliche Talent der Dar⸗ ſtellung, Schilderung und Zeichnung, wie unverſieglich dieſer Humor! Und man muß es leſen um ſeiner ſelbſt wil⸗ len, weil dies Buch alles gewährt, was ein Roman ſoll, und zum Herzen ſpricht, wie wenig andere. Das Buch iſt ſo warm, mit einem Wort ſo heiter, ſo innig, ſo durch und durch liebenswür⸗ dig, daß wenigſtens wir nicht einen Augenblick an die Fehler dachten, die ein mürriſcher Kritiker ihm vielleicht vorwerfen kann. Wir wünſchen das Buch geliebt zu ſehen wie den Verfaſſer.

Album, Bibliothek deutſcher Ori⸗ ginalromane. 14. Jahrgang. Prag. Kober u. Markgraf. 1859. Bd. 18. 19. E. Breier, Die Zauberflöte. Ein komiſcher Roman, wie es auf dem Titel heißt, und diesmal in Wirklichkeit ein Buch voll großer Heiterkeit und geſunder Komik, aus dem Wiener Leben am Ende des vorigen Jahrhunderts. Wir können dieſe Erzählung mit gutem Gewiſſen und durchgängig loben. In einfacher, anſprechender Darſtellung ziehn jene Tage und Menſchen an uns vor⸗ über, geſtalten ſich und leben vor uns. Zuweilen erhebt ſich die Darſtellung zu wahrer Trefflichkeit, und gleich das zweite Kapitel enthält Stellen, die wenn auch ein wenig übertrieben, dem beſten an der Seite ſtehn, was auf dem Felde des Komiſchen uns bekannt iſt. Bd. 20. Elfried von Taura, Die