Jahrgang 
1 (1860)
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Von Edmund Hoefer. 9

Ich hörte von Herbersberg, daß dort ſeit kurzem ein älterer Kamerad von uns wohne ein Herr von Bühel.Auf Breitenſteinbach? unter⸗ brach ihn der Förſter.So iſt's. Er war Major in unſerm Regiment. So wird er genannt. Er hat nicht mehr in Preußen gekämpft, hör'

ich.Nein, er kapitulirte mit einem Theil des Regiments bei Prenzlau

und wurde auf Chrenwort entlaſſen. Ich wußte nicht, wo er geblieben, denn es war mir nicht bekannt, daß er in dieſer Gegend begütert ſei. Ich freue mich, ihn wiederzufinden; er hatte zwar wenig Umgang mit uns, da er ſtill lebte, allein er war bei Gelegenheit ein ganz guter Kamerad und ein heftiger Franzoſenfeind.

Der Alte ging wieder einigemal auf und ab.Nun, nun, ſagte er dann,wir ſind da weiter ins Plaudern gekommen, als für einen müden Mann gut, und können morgen mehr reden. Jetzt, Herr, kommt zur Ruhe und ſchlaft tüchtig aus; Ihr ſeid ſicher hier, und Euer Pferd bekommt auch ſeine Abwartung. Und nachdem er den Gaſt in die Kammer gefuͤhrt, ſchied er raſch von demſelben mit wiederholtem Gutenachtwunſch. Der Fremde war in der That zu müde, um auf dieſen plötzlichen Abbruch der bisherigen Unterhaltung beſonders zu achten, und ſuchte ſchnell das Lager.

Als er am folgenden Morgen erwachte, warf die Sonne ihre Strahlen bereits über die hochragenden Kronen des rings ausgebreiteten Waldes auf den ſtillen Platz vor dem Hauſe und in ſein Kämmerchen. Seine Kleider hatte er bald angelegt und ging dann hinaus, um nach dem Pferde zu ſehn. Er fand es unter den Händen eines putzenden Knechts und trat, darüber beruhigt, wieder hinaus und in den kleinen Garten, welcher ſich mit einigen Obſtbäumen und ein paar Blumenrabatten neben und hinter

dem Forſthauſe ausbreitete. Da ſah er den Förſter mit einem jungen Men⸗

ſchen, der gleichfalls die Jägerkleidung trug, einen Steig herauf kommen

und hörte noch die letzten Worte des Alten:alſo kurz und gut, Freund,

kommt dergleichen noch einmal vor, ſo kannſt du deiner Wege gehn. Ich mag mich nicht länger ärgern an dir. Dann bemerkte er ſeinen Gaſt, den die begleitenden beiden Hühnerhunde mißtrauiſch umſchnupperten, und trat ihm mit freundlichem Gruß entgegen.

Schon heraus? fragte er und ſchüttelte die dargebotene Hand.Das heiß' ich Ueberfluß! Ihr wißt nicht, wie lang' Ihr ſo ſichere Ruhe habt, und da folltet Ihr ſie gründlich genießen.Ich ſchäme mich ſchon genug über die ſpäte Stunde, entgegnete Hofmann kopfſchüttelnd.Meine Kleider