Jahrgang 
1 (1860)
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10 Lorelei.

hat man mir auch gereinigt, ohne daß ich etwas davon geſpuͤrt, und das iſt, wie Ihr ſelber ſagen müßt, kein geringer Vorwurf für den verfolgten Flüchtling.Ei, lachte der Förſter,das müßt Ihr mit meiner Alten abmachen. Die ſchleicht trotz ihres lahmen Beines wie eine Katze und geht durch die Thüren wie ein Geſpenſt. Wenn Ihr gewacht hättet, würdet Ihr ſte freilich geſehn haben, aber gehört ſicher nicht.Ich könnte ſchon ein

aber der Alte freundlich;zuerſt wollen wir unſere Suppe eſſen den Kaffee hat uns der Franzos verboten. Und als ſie die einfache Mahlzeit beendet und die Frau das Gemach wieder verlaſſen hatte, meinte der Förſter: nun ſagt mir offenherzig, Herr, ob man Euch heut in Breitenſteinbach erwartet?Nein, das nicht. Buͤhel weiß ſogar nichts von meinem Kommen, von meiner Flucht vielleicht nur durch die Zeitungen.Und habt Ihr einen beſondern Plan im Auge, deſſen Ausführung an einen be⸗ * ſtimmten Tag gebunden iſt?Nein, auch das nicht. Sprechen muß ich

ihn, aber auf ein paar Tage kommt es nicht an. Ich muß eben auf jede

Gelegenl heit achten, die mir forthelfen kann.So bleibt heut noch hier, ſagte der Alte entſchieden.Es wird Euch gut thun, Herr, und Eurem Gaul auch, er iſt mächtig herunter. Und ſicher ſeid Ihr hier mehr als in Breitenſteinbach, das ſchon nah am offenen Lande liegt.

Es war nicht ſchwer, den Gaſt zu überreden, da derſelbe ſich nach den Strapazen und der Aufregung der letzten Wochen gleichfalls der Ruhe be⸗ dürftig fühlte. Und als er eingewilligt, bot ihm der Förſter eine Pfeife 4 denn, ſagte er,ſo ein Ding gibt uns ein befriedigtes Gemüthe und ggroßes Behagen und führte ihn dann mit ſich hinaus in den morgen⸗ 1 friſchen Wald, der ſo munter darein ſchaute, als habe auch er in der ver⸗ ggangenen Nacht gründlich ausgeſchlafen. Da redeten die ſchnell vertraut gewordenen Männer über des Vaterlandes Noth und Ausſichten.

Es war, wie unſere Leſer aus den Andeutungen des Flüchtlings bereits erfahren, das Jahr 1809, trotz einiger Lichtblicke und herzerhebender Züge eins der traurigſten, die jemals über das deutſche Land dahingezogen. Oeſterreich hatte nach ſeinem mutgaalte Ringen bereits einen Waffenſtill⸗ ſtand geſchloſſen, der vorausſichtlich bald zum neuen traurigen Frieden führen mußte. Die heſſiſchen Aufſtände waren längſt unterdrückt und blutig gerächt, die Reſte des Schill'ſchen Corps zu Weſel erſchoſſen oder auf fran⸗ zöſiſche Galeeren gebracht. Der Herzog von Braunſchweig hatte ſein tapferes

gutes Stück fort ſein, bemerkte Hofmann.Davon nachher, entgegnete⸗