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8 Lorelei.
und mein Freund konnte nichts mehr thun, als mich hieher zu dirigiren, während er zugleich die Spürhunde des Tyrannen nach einer andern Rich⸗ tung hin zu ſchicken ſuchte.“
„Wie heißt Euer Freund?“ fragte der Förſter— er ſchaute den Fremdling jetzt freundlich an—,„man kennt der Biedermänner nie genug.“ —„Es iſt ein Herr von Herbersberg auf Finkenſtein, an der Grenze von S.“—„Kenn' ihn ſchon,'s iſt ein wackerer Herr. Er iſt bis vor Kurzem Offizier geweſen?“—„Ja,“ entgegnete der Gaſt und nickte leiſe mit dem Kopf,„er diente mit mir im gleichen Regiment und ſchlug ſich mit mir nach dem Unglück bei Jena zur Armee in Preußen durch. Wir dienten bis zum Frieden. Da mußte mau uns bei der allgemeinen Reduction entlaſſen, und wir gingen auf unſere Güter.“—
Der Förſter ſah den finſtern jungen Mann wieder prüfend an.„Nun,“ meinte er nach einer Pauſe,„da ſind Sie beide doch in allen Ehren verab⸗ ſchiedet und haben nichts mehr mit den Franzoſen zu thun. Und doch ſagtet Ihr, daß Ihr auf der Flucht— 2“— Der Fremde nickte.„So iſt's,“ ſprach er ernſt.„Ich habe ſchon ſo viel geſagt, weßhalb nicht alles? Vor acht Wochen machte der Oberſt Emmerich drüben in Heſſen, im Marburgi⸗ ſchen, einen Aufſtandsverſuch, bei dem ich mich betheiligte. Die Sache miß⸗ lang. Es ſind leider nicht viele entronnen.“
Der Förſter ſtand auf und ging nachdenklich ein paarmal durch das Gemach, bevor er vor dem Fremdling ſtehn blieb und fragte:„wie heiß' ich Euch, Herr?“—„Nennt mich Hofmann,“ gab der Andre finſter lächelnd zur Antwort.„So ſteht's wenigſtens im Paß, den Herbersberg mir für den Nothfall zu verſchaffen wußte. Mein Familienname wird jetzt nur noch in den Steckbriefen der Zeitungen und Gensdarmen genannt.“—„Und ſeit ſieben— acht Wochen ſeid ihr, Mann und Pferd, in der Hetze gewe⸗ ſen?“ fragte der Alte theilnehmend.„Donnerwetter, da werdet ihr beide Ruhe brauchen! Aber Ihr könnt ſie auch haben, Herr; der Joſef Waldin⸗ ger ſteht Euch dafür, daß Ihr hier nicht geſtört werdet. Aber—“ fuhr er zögernd fort—„Ihr wollt in die zegend von Stonsheim. Iſt das nur zufällig, oder ſucht Ihr dort jemand? Ich kenne dort manchen, höre von noch mehreren. Denn,“ ſetzte er hinzu,„Vertrauen um Vertrauen. Wir haben hier herum ſchon auch ein Herz für's Vaterland und achten auf die Treuen und die Verräther.“
„Von einem der letztern iſt da keine Rede,“ erwiderte der Gaſt ernſt.


