Von Edmund Hoefer. 7
Alte wieder.„Unſer Landesherr iſt ja übrigens gut Freund mit dem Wäl⸗ ſchen, wie es heißt, obſchon— ich kann das von mir zwar nicht behaupten,“ ſetzte er jäh abbrechend hinzu.„Ich liebe das Geſindel nicht, das ſich im deutſchen Lande ſo breit macht, wenn es bisher auch mir noch nicht in den Weg gekommen. Hier herum haben wir noch keinen Beſuch von ihnen gehabt. Was hätten ſie da auch zu ſuchen? Es führt keine rechte Straße durch den Bezirk, und ſollte ſich Einer oder der Andere neugiershalber zu
uns herein verirren, ſo würde ich ihm die Wege zu zeigen wiſſen.“ Er hatte
bei den letzten Worten die P Ffeife aus dem Munde genommen und den Blick
feſt auf den Gaſt gerichtet; und wie gleichgültig er anſcheinend ſprach, klang doch aus ſeiner Rede etwas ſo Scharfes hervor, daß der Fremde wohl hätte aufmerkſam werden können. Allein der hatte den Kopf in die Hand geſtutzt und ſchaute ſchweigend in das Lampenlicht.
„Es iſt eine wilde Zeit, ſagt Ihr ſelber,“ fing der Förſter wieder an und ſein Auge haftete noch immer finſter auf dem jungen Mann.„Eure Fragen laſſen mich daran denken, wie viel Geſindel jetzt umherſtreift, und daß man aufpaſſen muß, wenn man reines Haus behalten will. Alſo— obſchon Ihr reputirlich ausſeht und ein ſolch Gefrage ſonſt nicht meine Art iſt— wie kommt's, daß Ihr nach Stonsheim durch den Wald zieht und Euch dem Verirren n ausſeti⸗ obſchon es dahin eine ziemlich grade und offene Straße gibt?— Ihr ſcheint freilich ein deutſches Landeskind, allein es ſoll leider Gotts auch unter denen manchen geben, der ſich mit Haut und Haar dem Franzoſen verkauft hat. Seid Ihr ein ſolcher,“ fuhr er noch finſterer fort,„ſo— will ich Euch morgen auf den Weg nach Stonsheim geleiten
laffen. Ich halte mein Wort. Dann möchte ich Euch aber den Rath geben, nicht wiederzukommen, denn—.“ Er brach ab, da der junge Mann ihm
plötzlich mit ernſtem Lächeln die Hand entgegenſtreckte.
„Schlagt dreiſt ein, es iſt die Hand eines Gleichgeſinnten,“ ſagte er dabei.„Eben, weil es unter unſern Landsleuten Schufte gibt, wie Ihr ſie erwähntet, und weil die Franzoſen Herren ſind in un ſern Gauten, muß ich die Waldwege wählen. Ich bin auf der Flucht ſeit Wochen, Alter, und habe nicht Luſt, mich wie einen Verbrecher erſchießen zu laſſen. Die Zeit kann nicht fern ſ ſein, wo ich dem Vaterland meine Kräfte und mein Leben weihen darf.— Ich habe ein paar Tage bei einem Freunde geraſtet und dachte dort bleiben zu können, bis ſich eine Gelegenheit fand, an das Meer und nach England zu gelangen. Aber man hat mich auch dort aufgelagt,
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