Jahrgang 
1 (1860)
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Lorelei.

6 3 1 iſt nicht weit. Und ohne die Antwort des Fremden abzuwarten, ging er vorwärts, kreuzte die Allee und ſchritt jenſeits weiter. Der Reiter war ihm mit einem kurzen:Gott lohn's! Ich muß wohl! gefolgt.

Der Weg lief eine kleine Strecke längs der Mauer hin, welche den Platz begrenzte, und ſenkte ſich dann, in den Wald lenkend, raſch abwärts, ſo daß der Fremde abſtieg und das Pferd am Zuͤgel führend neben dem Forſtmann herſchritt. Ringsum war es wieder ebenſo ſtill, wie vorhin, und das Mondlicht drang in dieſe Tiefen nicht hinein. Schweigend gingen die Männer hin, bis ſie nach einer kleinen halben Stunde Hundegebell hör⸗ ten und bald darauf zu dem einſamen Jägerhaus gelangten. Der Alte ließ den Fremdling in das Zimmer treten, wo eine ältliche Frau ſpinnend bei der Lampe ſaß, und ging wieder hinaus, um für das Pferd zu ſorgen und den ſchuldigen Burſchen, wie er ſagte, nach dem Schlagbaum hinüberzu⸗ ſchicken. Dann kehrte er zurück und ſetzte ſich zu ſeinem Gaſt an den Tiſch, wo die Frau inzwiſchen ſchon einen kleinen Imbiß aufgeſtellt hatte.Langt zu! ſagte der Alte, zündete ſich dann eine kurze Pfeife an und muſterte ſchweigend den mit den Speiſen beſchäftigten Fremden. Die Frau ruſtete indeſſen in einer Nebenkammer ein einfaches Bett.

Der Gaſt es war ein noch junger Mann, deſſen braunes Geſicht aber von einem langen Aufenthalt in freier Luft ſprach legte endlich Meſſer und Gabel nieder und richtete nun auch ſeinerſeits ein paar dunkel⸗ blaue, ziemlich finſter blickende Augen auf den Forſtmann.Ihr lebt hier

in einer einſamen Gegend, bemerkte er nach einer Weile anſcheinend gleich⸗ guültig.Ich bin erſtaunt geweſen, ſo wenig bewohnte Stellen zu finden. Sind die Waldungen im Privatbeſitz oder gehören ſie dem Fürſten?

Letzteres, ſagte der Andere kurz.Und Ihr ſeid im fürſtlichen Dienſt, Herr Förſter?Ja.Nun, Ihr wohnt da, wie es ſcheint, gar

abgelegen, warf der Fremde nach einer neuen kleinen Pauſe wieder hin, aber in der jetzigen Zeit hat das zuweilen ſein Angenehmes. Man kann wenigſtens hoffen, nicht ſo oft von den Kriegsunruhen beläſtigt zu werden. Habt Ihr hier auch zu leiden gehabt? Es ſieht wild in der Welt aus.

Der Alte ſtreifte den Fremden mit einem neuen ſcharfen und finſtern Blick. Gleich darauf ſah er wieder gleichgültig dem Rauch ſeiner Pfeife nach und verſetzte:leiden? Meint Ihr von dem Franzoſengeſindel? Ja, von den Franzoſen oder von andern, die ihnen feind waren.* Bah was gehn uns die Feindſchaften der Potentaten an! ſagte der