Jahrgang 
1 (1860)
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Lorelei.

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aber ſie ſchien ſeit Menſchengedenken nicht mehr benützt, ſondern längſt ſchon aufgegeben und vergeſſen zu ſein.

Er zog die Zügel an und ſah ſich nachdenklich und prüfend nach allen Seiten um.Iſt das der Weg, oder bin ich verirrt? murmelte er dabei vor ſich hin und ſpähte und lauſchte wieder, wie er in der letzten Stunde ſchon häufig gethan. Denn ſeit dem Mittage bereits ritt er in den weiten Heiden und Wäldern, welche, wie er wußte, der Krone gehörten und ſeine ihm genag beſchriebene Straße bargen; allein der Wege waren früher manche abgegangen, wo die Beſchreibung nicht mehr ausreichte, und ſeit die Sonne hinter die Wipfel geſunken, zog er nun ſchon auf dem jetzigen Pfade lang⸗ ſam ſteigend dahin. Seitdem hatte er keine ſich abzweigenden Wege mehr bemerkt; die kleine Schenke, in der er Mittags das Pferd gefüttert, war die letzte menſchliche Wohnung geweſen, die er geſehn, und einem Menſchen, bei dem er ſich hätte erkundigen können, war er ſeither auch nicht begegnet. Und jetzt ſchien das Spähen und Lauſchen gleichfalls keinen Erfolg haben zu ſollen.

Es war eine Auguſtnacht, und der Hauch, welcher droben in den Wipfeln ſäuſelte und zuweilen im leiſen Zuge auch die Straße entlang kam, belehrte den Reiſenden, daß ſie auf offneren Stellen ziemlich kuͤhl ſein mochte, obgleich hier im dichten Walde die Hitze der vergangenen Tage noch ſchwül genug zu ſpüren war. Der Mond ſtand jetzt faſt über dem Wege

und ließ ihn und die Büſche und Laubmaſſen umher immer heller und

ſchärfer aus der bisher herrſchenden Dunkelheit hervortreten. In einiger Entfernung trat ein Reh auf die Straße, ſchaute ſich um, ſchmälte und trabte hinuͤber in das Gehölz; ein paar andere folgten ihm ſchnell und verſchwan⸗ den gleichfalls, und dann war wieder alles einſam im ſtillen Mondlicht. Zeitweiſe rieſelte und zitterte es durch die Wipfel, ein paarmal ſchrie auch weit in der Ferne eine Eule; das Pferd ſchüttelte ſich einmal und ſchnaubte noch nach der letzten Anſtrengung. Sonſt aber war weit umher nichts als die Nacht und das Schweigen.

Verwünſcht! murmelte der Reiter.So bin ich. Er brach ab und neigte das Haupt lauſchend in die Richtung des Luftzuges, denn ihm war geweſen, als habe er einen Ton vernommen, wie ihn nur ein Menſch hervorbringt. Und er hatte ſich nicht getäuſcht wieder ſchlug ein leiſer, leiſer Klang an ſein Ohr, ſo leiſe, daß er ſich noch nicht zu ſagen vermochte, was es ſei; allein von einem Thier oder Vogel kam er nicht und war ebenſo

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