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maßen gebildete Familie, die Holtei nicht einige genußreiche Stunden verdankt; in andern Ländern hätte ein ſolcher Mann die Verehrung und Liebe ſeiner Nation und eine angemeſſene Lebensſtellung— Holtei in Deutſchland iſt und bleibt aber nur ein—„deutſcher Dichter.“
Wägner, Hellas, Land und Volk der alten Griechen. Mit Tonbildern und vielen in den Text gedruckten Abbildun⸗ gen ꝛc. Bd. 2. Leipzig. Spamer. 1859. Wir ſagten ſchon bei der Anzeige des erſten Bandes, daß uns das Buch ſehr angeſprochen und daß wir es auch allen Erwachſenen empfehlen könnten, welche ihre halbvergeſſenen Kenntniſſe wieder auffriſchen oder griechiſche Geſchichte und Cultur erſt kennen lernen wollen. Wir haben jetzt dieſe Empfehlung zu wieder⸗ holen, da der 2te Band das Unterneh⸗ men auf das angemeſſenſte fortſetzt und ſchließt. Wir heben die Abſchnitte: der peloponneſiſche Krieg, Sokrates, vor allem aber die Geſchichte der Nachfolger Ale⸗ xanders hervor, welche letztere beſonders höchſt überſichtlich und lichtvoll erzählt iſt, ſo daß ſie dem Verf. alle Ehre macht. Eine werthvolle Beigabe ſind noch die beiden Tafeln, welche in ſauberer Aus⸗ führung Thorwaldſens Aleranderzug dar⸗ ſtellen. Wir freuen uns auf das von demſelben Verfaſſer in Ausſicht geſtellte ähnliche Buch über Rom.
Th. Fiſcher, Lebens⸗ und Cha⸗ rakterbilder Griechiſcher Staatsmän⸗ ner und Piloſophen. 2 Bde. Königs⸗ berg. Bornträger. 1859. Das Buch iſt aus des Engländers G. Grote grie⸗ chiſcher Geſchichte überſetzt und bearbei⸗ tet. Im erſten Bande erhalten wir eine Ueberſicht der Verfaſſungsentwickelung von Athen, dargeſtellt an Solon, Kliſthe⸗
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nes, Miltiades, Themiſtokles, Ariſtides und Perikles; daneben erhalten wir aber natürlich auch eine überaus lichtvolle, auf die fleißigſten Forſchungen und die geiſtvollſte Auffaſſung baſirte Geſchichte und der Zeitereigniſſe, zumal des perſiſchen peloponneſiſchen Krieges.— Im 2ten Bande treten uns Kleon, Nikias, Alki⸗ biades(eine ganz beſonders muſterhafte Partie), die Sophiſten, Sokrates(gleich⸗ falls vortrefflich und die beſte Zeichnung des einzig daſtehenden Mannes, die wir kennen gelernt), die Befreiung Thebens durch Pelopidas ꝛc., zum Schluß Dion, Dionyſius II. und Timoleon entgegen. Es würde uns weit über den geſtatteten Raum hinausführen, wollten wir bei dieſem wahrhaft trefflichen Buch in's Einzelne gehn. Es iſt keine Seite darin, die nicht Belehrung böte; überall begeg⸗ net man der fleißigſten Forſchung, einer umfaſſenden Kenntniß und Beherrſchung des Materials, einer ſcharfen Kritik und einem— wenn wir ſo ſagen dürfen— geiſtreichen Spürſinn, der das Kleinſte herbeiholt und herausfindet und grade daraus oft zu den wichtigſten und häufig ganz neuen Reſultaten gelangt. Man kann hiernach des Bearbeiters Enthuſias⸗ mus für das Originalwerk des Englän⸗ ders wohl theilen. Es iſt das eben wieder die Arbeit eines tüchtig geſchulten und dennoch freien Kopfes, eine Arbeit, wie ſie bisher von einem Deutſchen nur ſehr ſelten ähnlich geliefert worden. Denn ſolch ein Buch ſchreibt man nicht mit Kennt⸗ niſſen allein, ſondern man muß dazu auch eine freie und große Lebensanſchauung haben.— Von der Bearbeitung können wir nur ſagen, daß ſie ſich wie ein Ori⸗ ginalwerk liest.
Die Sterne und die Erde,


