Jahrgang 
4 (1859)
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IV

dieſem Jahre alle Ehre macht. Gute Autoren haben anziehende Beiträge ge⸗ liefert. Die beigegebenen Stiche zieren das Buch und die dazu gehörenden Ge⸗ dichte würden zum Theil auch ſelbſtän⸗ dig von nicht geringem Werthe ſein. Vom Album, Prag, Kober u.

Markgraf. 1859. liegt uns diesmal

nur ein Buch vor, Bd. 15 17, Louiſe Otto, Nürnberg. Culturhiſtoriſcher Roman. Das Buch, im letzten Jahr⸗ zehend des 15. Jahrhunderts ſpielend, hat uns viel Freude gemacht und um ſo mehr, da wir neuerdings nicht grade Veranlaſſung fanden und finden, das⸗ ſelbe von der übrigen überreichlichen Damenlitteratur unſerer Zeit zu rüh men. An das Geſchick des Helden, des Steinmetzen und Baubruders Ulrich von Straßburg ſchließt ſich in durchaus ge⸗ ſchickter und höchſt anziehender Behand⸗ lung das bürgerliche und ritterliche, künſtleriſche und ſtaatliche Leben jener Zeit an. Viele der damals hervorragen den bedeutenden Männer, König Max und Kunz von der Roſen, die Behaim, Conrad Celtes, Pirkheimer, Dürer u. ſ. w. gehen in gelungener, anmuthender? eich nung an uns vorüber, und die Perſonen des Nomans leben vor uns ſo gut wie die hiſtoriſchen. Das Buch gereicht der Verfaſſerin zur Ehre und der bekannten

Sammlung, der es angehört, zur wahr⸗ haften Zierde.

Paul Stein, Drei Chriſt abende. Roman. Leipzig. Herbig. 1860. Die Geſchichte ſpielt, wie jetzt begreiflicherweiſe viele, gleichfalls in den Jahren bis 1813 und ſchildert uns ein⸗ mal ein Stück Leben nicht aus Deutſch⸗ land, ſondern aus den damals zu Frank⸗

reich geriſſenen Provinzen des Rheinufers.

Wir können dieſe Wahl nur billigen, da der Verf. dadurch Gelegenheit erhielt, wirklich etwas Neues zu ſchildern. Wir haben dem Buch nachzurühmen, was wir auch an den frühern des Verf. zu loben fanden, hübſche Erfindung, gute Behand⸗ lung, ſichere Charakteriſtik. Die zierliche Annette und der Dorfmedikus Gallus ſind ein paar trefflich gezeichnete Per⸗ ſonen.

Caroline von Reder, A. d. Leben eines Hageſtolzen. 2 Bde. Nordhauſen. Büchting. 1860. Ein Roman, der im Allgemeinen wohl ein guter genannt werden kann. Einzelne Scenen, z. B. die des Anfangs, die Begegnung bei Bagneres und zumal die ſpätere in Rom enthalten überraſchende Schönheiten; ebenſo ſind einzelne Charaktere, wie der Kamillas, Dornings und ſeiner Frau, der beiden alten Diener, und das Kind Diana zum Theil vortrefflich gezeichnet. Allein das Buch leidet daneben an viel⸗ fältigen, unendlich breiten Reflexionen, an großen Längen, an nicht geringer Sentimentalität und enthält in der Liebe des Alten zu der jungen Diana und in ſeiner endlichen Reſignation zu Gunſten ſeines Pflegeſohns einen gar zu gewöhn⸗ lichen veralteten Zug. Dennoch empfeh⸗ len wir das Buch und glauben, daß die Verf., wenn ſie nur einfach aus dem Herzen ſchreiben und all dem unnöthi⸗ gen Beiwerk entſagen will, ſicher etwas Anſprechendes und Gelungenes liefern wird.

Marie Norden, Agnes und Marie. Roman a. d. engliſchen Leben. 3 Bde. Nordhauſen. Büchting. 1860. Ein Buch wie viele, mitedlen und böſen Menſchen, möglichen und un⸗ möglichen Situationen, ſchwankenden