Aus dem Leben eines Portepeefähndrichs in den letzten Jahren vor der Jenaer Schlacht.
Aus den Tagebuchern des Generals von W.
Mitgetheilt von
E. Heuſinger.
Die Ruͤckkehr des Regiments von Ruits aus dem polniſchen Feldzuge ward Veranlaſſung, daß mein Vater als Kommandeur des dritten oder des Depotbataillons des Regiments von Brieg nach dem Landſtädtchen Franken⸗ ſtein verſetzt wurde. Ich allein blieb vom ganzen Hausſtande des Unterrichts wegen bei einem Lehrer in Brieg zuruck. Indeſſen beſuchte ich während der Ferien recht fleißig meine Eltern auf dem Lande, und dieſe Tage des Faul⸗ lenzens waren für mich eine goldene Zeit.
Bei ſolchen Gelegenheiten kam es denn auch wohl in Anregung, was aus mir werden, welche Laufbahn ich einſchlagen ſollte. Ich war kaum 13 Jahre alt. In ſolchem Alter kann natürlich die Wahl einer Carriere nicht geleitet werden durch eine verſtändige Beurtheilung der mit jedem Stande verknüpften Lebensverhältniſſe, Mühen und Beſchwerden und durch Abwie⸗ gen der eigenen Kräfte. Es wirken nur die äußeren Erſcheinungen auf das Gemüth. So hatte gleich anfangs der Glanz des Soldatenſtandes, wie viele Andere, auch mich geblendet, und das militäriſche Leben, in welchem ich mich im väterlichen Hauſe gewiſſermaßen mit forttrieb, mich auch zu dem⸗ ſelben hingezogen; vorzüglich aber reizte mich die glänzende Huſarenuniform und der Dienſt der Cavallerie in ſehr hohem Grade. Die Vorſtellungen meiner Eltern wegen der theuern Equipage und der durchaus nöthigen Zu⸗ lage, deren ein Cavallerieoffizier bedarf, vermochten jedoch ſo viel über mich,


