68 Eine Wanderung nach der Winzenburg. Von Karl Seifart.
„Jo, ho! lieber Waidmann, woit gut! Das kann ich dir wohl ſagen: Der Tag iſt weißer als der Schnee, die Saat grüner als der Klee, die Nacht ſchwärzer als der Rab', ſchöne Mädchen klüger als der Jägerknab’!“—
„Hurrah! auf dieſen goldenen Spruch gehört ein goldener Wein!“ ruft Freund Hubertus. Der Flaſchenkorb gibt ſeine letzten Schätze her und bald perlt und glänzt der edle Rüdesheimer in den kriſtallklaren Römern. — Waldesgrün und Himmelsbläue, rothes Sonnengold und ſilberner Wölkchen Glanz durchleuchtet das blinkende Glas. Und wie wir's, nach⸗ dem es an des Freundes Glaſe im reinſten Glockenton erklungen, an den Mund heben und in langen, durſtigen Zügen leeren, da iſt's als ob Wal⸗ desgrün und Himmelsbläue, rothes Sonnengold und ſilberner Wölkchen⸗ glanz, als wenn eine ſchöne, herrliche Zauberwelt in uns einzöge, um unſer Gemüth auf jene Höhe zu erheben, von welcher man freudetrunken herabruft:
„Seid umſchlungen Millionen!“


