Jahrgang 
4 (1859)
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62 Eine Wanderung nach der Winzenburg.

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Herrſchaft entgegen. Die Herrſchaft war auch ſchon auf dem Heimwege und bog eben da, wo der große Buſch ſteht, um den Brink, als das Mädchen herangelaufen kam, noch einmal um Hülfe rief und dann vor Ermattung und Angſt dicht am Buſche zur Erde ſtürzte. Davon heißt der Buſch noch heute derStörtebuſch(Stürzebuſch). Die erſchrockenen Müllersleute hoben die ohnmächtige Magd auf und trugen ſie ins Haus zurück, da ſahen ſte denn mit Staunen und Grauen, was das beherzte Mädchen ausgerichtet hatte. Der Müller ließ gleich ſatteln und holte den Doktor von Salzdetfurt aus dem Bette, der brachte denn die Magd wieder ins Leben, und die Müllersleute haben ſie ihr Lebetage keine Noth leiden laſſen. Seit jener Mordnacht aber hieß die Mühle die Mordmühle.

Wir verlaſſen die gaſtliche Mordmuhle und das ſagenkundige Bäuer⸗ lein, ſchenken dem Störtebuſch einen flüchtigen Blick und erreichen bald Salzdetfurt, welches mit ſeinen langen, von parallel laufenden ſteilen Waldhöhen eng eingeſchloſſenen Häuſerzeilen wie kein anderer Ort an das Thuͤringiſche Ruhla erinnert. Mit Staunen bemerken wir hoch am Kirch⸗ thurm die eingegrabenen Waſſerzeichen und begreifen nicht, wie die Lamme, ſo heißt das winzige Flüßchen, welches den Ort durchfließt, zu ſolch verderb⸗ licher Höhe anſchwellen kann. Und doch iſt es ſo, der Ort hat in Folge ſeiner Lage, ringsum eingekeilt von ſteilen Bergen, welche bei heftigen Ge⸗ witterregen ihre wilden Waſſer mit raſender Schnelle in das ſchmale Thal herabſtürzen, ſchon oft die ſchrecklichſte Waſſersnoth erlitten, und wenn jene Zeichen am Thurme nicht trügen, ſo müſſen ſchon in den niedrigſt gelegenen Gegenden des Fleckens kaum die Schornſteine der Häuſer aus den tobenden Fluten hervorgeragt haben.

Einſt wurde, wie man ſagt, durch den Leichtſinn und die Vermeſſenheit gottloſer Leute ein ſolches Unheil uüber den Ort verhängt. Es war nämlich im heißen Sommer an einem Sonntagnachmittag und noch unter der Kirche, als eine Kegelgeſellſchaft mit vielem Toben und Schreien ihr Spiel trieb, und von verſtändigen frommen Leuten ermahnt, mit dem Kegeln und Toben doch bis nach dem Gottesdienſte zu warten, den Ermahnungen nur Spott und Hohn entgegenſetzte. Ja, als ein Gewitter aufzog und der Donner immer drohender und drohender rollte, vergaß ſich einer der Spieler ſo weit, daß er ſagte:Der da oben kegelt ja auch und muß doch am beſten wiſſen, ob es recht iſt oder nicht, wenn man unter der Kirche kegelt! Doch bald verging den Leuten das Spotten, denn das Gewitter entlud ſich grade uber