Jahrgang 
4 (1859)
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Von Karl Seifart. 61

Waldſchmuck vor uns aufragen. Unſer Bäuerlein zecht für ſeine Geſchichte tapfer mit, wird lebhaft und mittheilſam und meint, ob wir denn wohl wüßten, woher dies Haus den Namen Mordmühle habe? Wohl wiſſen wir's, aber der Mann mag's in ſeiner Weiſe erzählen.

Vor lieben langen Jahren, in einer heiligen Chriſtnacht, war der Müller, denn dazumal war die Mordmühle noch eine wirkliche Mühle, mit Frau und Kindern und allen ſeinen Leuten nach Detfurt zur Nachtkirche gegangen. Nur eine einzige junge Magd war zu Hauſe geblieben, um für die Herrſchaft und die Knappen ein Warmbier zu kochen, damit ſie doch etwas Warmes in den Leib kriegten, wenn ſie zu Hauſe kämen; denn es fror die Nacht Bickelſteine. Die Magd ſtand nun, es mochte wohl Mitter⸗ nacht vorüber ſein, in der Kuͤche, welche dicht am Mühlenbett lag, bei ihrem Topfe und ahnte nichts Böſes. Mit einemmale fängt's draußen an zu flüſtern und an den Wänden zu graspeln, daß der Magd die Haare zu Berge ſteigen. Doch ſie befiehlt ſich Gott und allen Heiligen, faßt ſich ein Herz und fängt zu horchen an. Da hört ſie denn, daß ein Mann ſagt: Es iſt bloß die Magd zu Hauſe, mit der wollen wir bald fertig werden, ich will hier durch das Wellenloch einkriechen und ihr Andern könnt nach⸗ folgen, ich weiß, daß der Müller mehrere tauſend Thaler im Hauſe hat. Da dachte die Magd: jetzt heißt es, ich oder du! nahm eine ſchwere ſcharfe Barte und ſowie der Kopf des durchkriechenden Kerls zum Vor⸗ ſchein kommt, haſt'n nich' geſehen! haut ſie ihn auf's Genick, daß der Kopf gleich dabei liegt, dann zieht ſie leiſe den Rumpf nach und läßt ihn langſam auf den Boden gleiten.

Biſt du drin? flüſtert es jetzt draußen.Ja, antwortet leiſe die Magd, und gleich darauf kommt ein zweiter Kopf zum Vorſchein. Auch der blieb nicht auf dem Rumpfe ſitzen und es ging ihm grade wie dem erſten. Als die Magd den Körper nachgezogen und neben dem andern leiſe nieder⸗ gelegt hatte, hieß es wieder draußen:Biſt du drin?Ja, ſagte das Mädchen, und gleich darauf verſalzte es wiederum einem Räuber das Einſteigen, und ſo ging's fort, bis es neun Räuber geköpft und hinein⸗ gezogen hatte. Da hörte alles Flüſtern und Graspeln auf und es ward todtenſtill.

Als ſich nun die Magd ſo mutterſeelenallein mit den blutigen Leichen im Hauſe ſah, konnte ſie es vor Angſt und Grauſen nicht mehr aushalten, ſie ſtürzte hinaus und lief, was ſie laufen konnte, auf Detfurt zu und ihrer