Jahrgang 
4 (1859)
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60 Eine Wanderung nach der Winzenburg.

Freiſchießen wäre. Ei, dachte der Bote, da kannſt du wohl auch noch Einen auf die Nacht fuür den Magen nehmen, und marſchirte munter auf die luſtige Geſellſchaft los. Doch kaum war er auf Steinwurfsweite herangekommen, als ein großer ſchwarzer Mann mitten aus der Geſellſchaft auf⸗ und bis in die Wolken wuchs, der that ſeinen Mund, in welchen man wohl mit einem Fuder Heu hätte fahren können, auf und rief:Es ſind zwei Augen zuviel, ſoll ich ſie ausblaſen? Da merkte der Bote, wen er vor ſich hatte, und ſchrie laut:Jeſus, Maria und Joſeph! Kaum waren die Worte aus ſeinem Munde, ſo ſtand er in der dichteſten Finſterniß und ſtatt des Jubels und des Lachens hörte er nur Heulen und Geſchrei, das kam aber aus weiter, weiter Ferne, in der Nähe war alles todtenſtill geworden.

Der zum Tode erſchrockene Mann betete nun ein Vaterunſer und ein Gegrüßet ſei'ſt du! nach dem andern und wollte ſich auf den Weg machen, aber es war ihm nicht möglich von der Stelle zu kommen, ſo dicht war die Finſterniß ringsum. Da dachte er: es kann nicht mehr lange hin ſein bis zum Morgengrauen, ich will hier warten. Er befahl ſich in Gottes Schutz und ſetzte ſich da, wo er geſtanden, auf den Raſen nieder, um das Morgen⸗ licht zu erwarten. Aber er wartete Stunde um Stunde und es wollte nicht Tag werden. Da merkte der arme Menſch endlich, daß er blind geworden, und jammerte laut. Auf ſein Hülfeſchreien kam ein Schäfer herbei, der ihn zu Leuten brachte, die ihn mit in die Stadt nahmen. Neun Monate, neun Wochen und neun Tage lang blieb er blind, als dieſe Zeit aber um war, da hauchte es ihn auf einmal in der Morgenfrühe wie von Roſen und Nelken an, und er war wieder ſehend.

Seine Freunde und Vettern hatten ihn oft aufgefordert, vor den Rath zu treten und die Leute, welche er in der luſtigen Geſellſchaft auf der Heide erkannt habe, anzuzeigen. Aber er ſchuͤttelte immer den Kopf und ſagte: Mit großen Herren iſt nicht gut Kirſchen eſſen! Da merkte man wohl, daß recht vornehme Leute, vielleicht gar Rathsverwandte und Amtleute an dem ſündigen Werke theil gehabt hatten.

Ei, da haben wir ja ein Hexenbanket, ſo ſchön wie es nur in Prätorius Blocksbergs⸗Verrichtung oder im Simpliciſſimus beſchrieben werden kann! Die Geſchichte iſt einen guten Trunk werth, und den können wir hier auf derMordmühle haben. Wir treten in das gaſtliche Wirthshaus, welches den furchtbaren Namen führt, und ſtärken uns durch ein gutes Frühſtück zu der anſtrengenden Wanderung durch die Berge, welche jetzt im grünen