Jahrgang 
4 (1859)
Einzelbild herunterladen

58 Eine Wanderung nach der Winzenburg.

Räuber nieder, ſo daß er zuſammenbrach und für immer mit ſeinen Schätzen zu Grunde ging. Nun geht er Nachts um und ſchreckt die Leute durch einen Weheruf, der das Blut erſtarren macht.

Eines Nachts erſchien er einem beherzten Schäfer in der Hürde und offenbarte ihm, wer er ſei und wie er umgekommen, und bat den Schäfer flehentlich, ihn zu erlöſen.Was krieg ich dafür und wie fang' ich's an? ſagte der beherzte Schäfer.Du gehſt, wenn die Sonne hoch im Mittag ſteht, antwortete mit einem tiefen Seufzer das Geſpenſt,in die Karbe bis an das große Waſſerloch, dämmſt oberhalb das Waſſer ab und gräbſt und gräbſt und läß'ſt dich durch nichts irren, bis du meine Gebeine findeſt, die hebſt du auf und begräbſt ſie mit einem Vaterunſer in geweihter Erde. Dafur ſoll der Schatz dein ſein, über welchem jetzt meine Gebeine ruhen, er wird hinreichen dir eine Grafſchaft dafür zu kaufen.Gut, ſagte der Schäfer,ich will's thun. Da verſchwand der Geiſt.

Am folgenden Mittag machte ſich der Schäfer mit dem Grabſcheit auf den Weg, und als er die Schlucht betrat, flog ein Rabe ſo groß wie eine Gans auf, zeigte dem Schäfer den Weg und rief:Grab, grab, grab! Der Rabe ſetzte ſich über dem großen Waſſerbecken auf einen Hagedorn⸗ ſtrauch und ließ nicht nach mit ſeinem Ruf, bis der Schäfer arbeitete, daß ihm der Schweiß von der Stirn floß. Er ſperrte mit einem ſtarken Damm den Bach ab und ſchöpfte mit ſeinem Hute das Waſſer aus, welches uͤber Schaperjohanns Grabe ſtand, dann fing er eifrig zu graben an und hatte ſchon einen guten Theil Schlamm und Schutt weggeräumt, als ferner Donner ihn aufhorchen und mit der Arbeit einhalten ließ. Da ſchlug der Rabe wild mit den Flügeln und ſchrie lauter und eifriger als zuvor: Grab, grab, grab!

Mit ängſtlicher Haſt grub der Schäfer tiefer und tiefer, da flammte ein Blitz auf, ein furchtbarer Donnerſchlag machte den Berg erbeben und gleich einem Wolkenbruch ſturzte der Regen herab. Erſchrocken ſprang der Schäfer aus der Grube, aber ſein Schrecken ſollte ſich zum Entſetzen ſteigern, denn der rieſenhafte Rabe ſtürzte auf ihn herab, ſchlug ihn grimmig mit den ſchwarzen Flügeln und rief mit einer Stimme, die den Donner uͤber⸗ tönte:Grab, grab, grab! Da ziſchte, heulte und pfiff eine Winds⸗ braut durch die Schlucht und warf den Raben vor ſich her, vergebens kämpfte er gegen die Sturmesgewalt, und bald erſchallte nur noch aus weiter, weiter Ferne wie von verzweifelnder, erſterbender Stimme das ſchauerliche