54 Der Fechtmeiſter von Jena. Von Fr. Friedrich.
Kaum hatte er aber dieſe Worte geſprochen, ſo zuckte das Auge des unſcheinbaren Gegners, feſt ſetzte er den Fuß voran, fiel aus und des Königs Degen flog klirrend an die Wand. Die Umſtehenden waren faſt erſchrocken. Der König richtete ſich überraſcht in die Höhe, noch niemand hatte den Degen aus ſeiner ſtarken Hand zu winden vermocht. Seine Lippen preßten ſich feſt aufeinander. Schweigend hob er den Degen wieder auf und ſtellte ſich auf die Menſur. Sein ganzer Körper erzitterte vor innerer Aufregung, ſeine Rechte hielt faſt krampfhaft den Degen umfaßt. Da fiel der Gegner wieder aus und zum zweitenmale flog ſein Degen klirrend an die Wand.
Erſchrocken trat der König einen Schritt zurück. Sein Auge gluͤhte. „Er iſt entweder der Teufel oder Kreußler aus Jena!“ rief er.— Da zuckte es um das Auge des unſcheinbaren Mannes, er ſenkte die Spitze des Degens, der ſo feſt in ſeiner Rechten ruhte, und erwiderte ruhig:„Der letztere bin ich, Majeſtät.“
Einen Augenblick ſchaute ihn Auguſt der Starke noch finſter an, dann erhellte ſich ſein Blick, er trat auf ihn zu, reichte ihm die Hand und rief: 1 „Von Euch beſiegt zu ſein iſt keine Schande. Reicht mir die Hand!“— Der Fechtmeiſter zögerte.„Majeſtät,“ ſprach er lächelnd,„es iſt doch ein anderer Händedruck, als auf der Raſenmühle?“— Der König lachte laut auf:„Ha, ha! Schlagt ein! Vor Eurer Rechten habe ich Reſpekt! Seid ohne Sorge!“— Da legte er ſeine Rechte feſt in die Hand des Königs, der ſie derb ſchuͤttelte.
Wenige Tage darauf kehrte Kreußler, vom Könige reich beſchenkt, nach Jena zurück. Vergebens hatte ihn Auguſt für immer in Dresden zurück⸗ zubehalten verſucht. Er hatte es abgeſchlagen— ſein Herz hatte ihn nach der trauten Stadt an der Saale zurückgezogen.— Es war ihm aber ergan⸗ gen, wie ſo vielen Herzen nach ihm! Es gibt nur Ein Jena! Das zieht — das zieht!—


