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Der Fechtmeiſter von Jena.
folgenden Morgen ſtellte er ſich wieder auf dem Fechtſaal ein, ganz mit ſeiner beſcheidenen ſchulmeiſterlichen Miene, als ob am Tage zuvor nichts vorgefallen wäre. Die Niederlage des Fechtmeiſters hatte ſich indeß raſch unter allen Offizieren verbreitet und ſie waren in großer Anzahl gekommen, den geheimnißvollen Mann zu ſehen und für die Niederlage ihres Haupt⸗ manns Genugthuung von ihm zu verlangen. Mit dem Degen wagte es keiner mit ihm aufzunehmen, dafür hatte ſich aber ein junger Lieutenant, der für den beſten Schläger in der Armee galt, verſchworen, ihm mit dem Schläger tüchtig zuzuſetzen.
„He!“ wandte er ſich an den Schulmeiſter,„verſteht Ihr auch mit dem Schläger umzugehen?“— Der Gefragte zuckte mit den Achſeln.„Ich habe es noch nicht verſucht. Wenn es nicht ſchwieriger iſt, als mit dem Degen, ſo—.“—„Gut,“ unterbrach ihn der Lieutenant.„Ihr braucht Euch nicht zu fuͤrchten, wir wollen einen Gang mit einander machen. Hier iſt der Schläger. So müßt Ihr ihn faſſen und ſo Euch auslegen. So, nun ſtellt Euch auf die Menſur und ſeht Euch vor.“
Der Pſeudoſchulmeiſter zeigte ſich anfangs ebenſo ungeſchickt und un⸗ erfahren wie am Tage zuvor. Kaum hatte aber ſein Gegner den erſten Schlag gethan, den er mit Leichtigkeit parirte, als ſein ganzes Weſen ſich zu verwandeln ſchien. Der Schläger erſchien in ſeiner Hand ſo leicht, als ob er eine Feder wäre, und hatte er ſich auch ſcheinbar nachläßig ausgelegt, ſo bot er ſeinem Gegner doch nicht die geringſte Blöße dar. Er verfolgte ganz daſſelbe Manövre, wie am Tage zuvor, und parirte alle Hiebe des Lieute⸗ nants mit meiſterhafter Geſchicklichkeit und Sicherheit. Erſt als dieſer immer ungeſtümer und hitziger auf ihn eindrang, ſchritt auch er zum Angriff, und Schlag auf Schlag, Primen und Sekonden, Terzen und Quarten trafen nach einander den erſchrockenen Lieutenant. Er war nicht im Stande, ſie zu pariren, wich von der Menſur zurück und ließ ſich endlich in eine Ecke des Fechtſaals drängen.
Unverhohlener Beifall brach jetzt unter den anweſenden Offizieren aus. Der unſcheinbare Dorfſchulmeiſter hatte ſie zu wirklicher und aufrichtiger Bewunderung gezwungen. Sie umringten ihn und die beſten Fechter unter ihnen verlangten, mit ihm eine Lanze zu brechen. Er war gern dazu bereit, allein keiner vermochte ihm Stand zu halten, einer nach dem andern wurde von ihm beſiegt und ſein Arm ſchien nimmer zu ermüden.
Noch an demſelben Tage kam die Kunde, daß ein fremder Dorfſchul⸗


