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Der Fechtmeiſter von Jena.
Als der Abend hereinbrach, füllte ſich das Gaſtzimmer mit Gäſten, meiſt Offizieren, und mit ſcheinbar ſchuͤchterner Miene miſchte ſich der Fecht⸗ meiſter unter ſte. Das Dorſſchulmeiſterlein fiel ſofort auf, jeder wollte ihn zum Beſten und ſeinen Spaß mit ihm haben, allein er blieb keine Antwort ſchuldig und ließ keinen Scherz unerwidert, ohne ſeine Rolle aufzugeben.— „Heda, Schulmeiſter!“ rief endlich einer der Offiziere.„Ich bin Hauptmann und erſter Fechtmeiſter für die ganze Armee, verſteht Er auch'was vom Fechten?“—„Nein,“ erwiderte der Pſeudoſchulmeiſter.„Aber mein Herr Pfarrer hat in Jena ſtudirt und mir viel davon erzählt. Dort ſoll man ſehr gut fechten; ich kann nicht leugnen, daß ich wohl einmal ſehen möchte, wie es gemacht wird.“—„Allen Reſpekt vor ſeinem Herrn Pfarrer,“ unter⸗ brach ihn der Hauptmann,„aber vom Fechten verſteht er nichts. Was! In Jena ſoll man es verſtehen? Pah! Nichts verſteht man dort! Ich lehre jeden Morgen im Pagenhauſe auf Hieb und Stich, und wenn Er ſehen will, was Fechten heißt, ſo mag Er morgen früh dort hinkommen. Ja, es ſoll mir nicht darauf ankommen, es Ihn zu lehren, wenn Er Luſt hat; wir wollen einen Gang mit einander machen.“
Kreußler merkte wohl aus des Hauptmanns verſtecktem Lächeln und aus den Blicken, die er ſeinen Kameraden zuwarf, daß er ihn zum Beſten habe und ihn gehörig mitnehmen wolle, dennoch nahm er das Anerbieten mit größtem Danke an und verſprach ſich rechtzeitig einzuſtellen.
Zeitig begab er ſich am folgenden Morgen zum Pagenhauſe. Der Fechtſaal war mit Offizieren erfüͤllt, welche ſich den Spaß nicht entgehen laſſen wollten, zuzuſchauen, wie der dumme Teufel, der Dorfſchulmeiſter, von dem Hauptmann gehörig durchgebläut werde, denn dieſer hatte geſchwo⸗ ren, ihn als blaues Wunder in ſeine Gemeinde zuruͤck zu ſenden.
Kaum hatte er den Saal betreten, als der Hauptmann ihn erblickte und freundlich einlud näher zu treten.„Komm Er, trete Er hieher,“ ſprach er,„damit Er erſt einmal ſieht, wie es gemacht wird, ehe Er ſelbſt die Waffe in die Hand nimmt.„Nun paß Er auf!“— Scheinbar auf das Höchſte überraſcht ſtand der Jenenſer da, als der Hauptmann mit einem andern Offizier einen Gang mit dem Floret machte. Kaum vermochte er indeß ſeine innere Freude zu verbergen, als er bemerkte, wie weit er jenem an Geſchicklichkeit uͤberlegen war und wie ſich das Blatt ſo unerwartet wen⸗ den werde.
„Nun, Schulmeiſter,“ rief der Hauptmann,„hat Er's nun geſehen,


