Jahrgang 
4 (1859)
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Von Fr. Friedrich. 49

dieſen Worten warf er eine mit Gold gefuͤllte Börſe auf den Tiſch und ver⸗ ließ raſch das Zimmer und die Raſenmühle.

Beſtürzt blickten ihm alle nach. Dieſe Wendung hatte niemand erwar⸗ tet, am wenigſten der Renommiſt, der einer Ohnmacht nahe von ſeinen Kameraden zur Stadt geleitet wurde und keine Hoffnung hatte, daß ſeine Hand je wieder völlig hergeſtellt und brauchbar werde.

Der König hatte ſich heimlich und incognito wieder aus Jena entfernt, ehe noch dieſer Vorfall allgemein bekannt wurde. Er erregte natürlich ein allgemeines Aufſehen. Die Burſchen waren empört, daß ihr beſter Schläger für immer verdorben war, ſie durften ihn nicht einmal rächen, denn bis zum Könige reichte weder ihr Schläger noch ihr Stoßdegen, und ſie befürchteten auch, daß er auf dem Throne den Comment vergeſſen werde.

Auch Kreußler hörte von dieſem Vorfall und daß der König ihn auf⸗ geſucht habe. Sofort erkannte er die Abſicht deſſelben, denn er wußte, daß Auguſt der Starke ein ſehr guter Fechter war und ſich ſelbſt für den beſten hielt. Auch er hatte Luſt, ſich einmal mit dem Könige zu meſſen, kam ihm zwar an Kraft bei weitem nicht gleich, baute indeß feſt auf ſeine Geſchicklichkeit und die Ruhe und Feſtigkeit ſeines Auges. Zudem ärgerte es ihn, daß er durch den König ſeinen beſten Schüler verloren hatte und daß alle jenenſer Burſchen durch ihn touchirt waren, ohne daß ſie Genugthuung verlangen konnten. Ein guter Fechtmeiſter hält es aber ſtets d. h. ſo lange ſie ihn bezahlen mit den Studenten, er beſchloß deßhalb die Beleidigung der Burſchen zu rächen und den wohlverdienten Ruhm der jenenſer Klingen feſt zu begründen.

Sein Plan ſtand feſt. Wie der König hüllte er ſich in ein Incognito, und zwar in das eines Dorfſchulmeiſterleins, und machte ſich, noch ehe er nach Jena zurückgekehrt war, nach Dresden auf den Weg. Seine unſcheinbare Geſtalt, ſeine bereits ergrauenden Haare kamen ihm trefflich zu ſtatten. Er hatte ſich das richtige Geſicht eines dörflichen Schulmonarchen vorgeſchnallt und das Rohr in ſeiner Rechten ahmte ganz die fuchtelnde Bewegung nach, welche ſich die Schulmeiſter der häufigen Praxis wegen nur allzu leicht an⸗ gewöhnen. So ausgerüſtet trollte er in Dresdens Thor ein. Selbſt St. Petrus würde ihn in dieſer Verkleidung als ein Stück Dorfgeiſtlichkeit ex officio in den Himmel eingelaſſen haben. Seinem Plane gemäß trat er in das beſte Gaſthaus der Reſidenz ein und wurde von Wirth und Kellner mit herablaſſend gnädiger Miene empfangen. Er kümmerte ſich nicht darum und legte die Maske demüthiger Beſcheidenheit nicht ab.

Hausblätter. 1859. IV. Bd.