48 Der Fechtmeiſter von Jena.
indeß den in ihm aufſteigenden Unwillen und ließ ſich ruhig eine dritte Flaſche bringen. Als aber auch dieſe ſofort durch einen Schlag des Ziegen⸗ hainers zerſchmettert wurde, ſprang er erzürnt empor und rief:„Was ſoll das? Ich finde das ſehr ſonderbar, mein Herr!“—„Sonderbar? Son⸗ derbar?“ wiederholte der Renommiſt, indem er ſich erhob.„Ha, Er hat mich touchirt! Er verſteht Comment?“—„Ein wenig,“ erwiderte der Pſeudophiliſter, indem er ſeine Erbitterung mit Gewalt niederkämpfte.— „Er muß mit mir losgehen,“ unterbrach ihn der Burſch.„Noch niemand hat mich touchirt, dem meine Klinge die Beleidigung nicht zehnfach heim⸗ gezahlt. Er muß ſich mit mir ſchlagen, Er ſchäbiger Philiſter! Ich will Ihn lehren, was es heißt, einen Burſchen, mich zu touchiren! Verſteht Er auch was vom Fechten? He, verſteht Er auch'was davon?“
„Ein wenig,“ gab der König zur Antwort, indem er auch nicht durch einen einzigen Blick ſeine Philiſterrolle verrieth.—„Gut!“ rief der Burſch. „Dann will ich Ihm ein Alphabet ins Geſicht zeichnen, daß Er auch ohne Grammatik das Griechiſche erlernen kann! Morgen fruͤh geht Er alſo mit mir los, ich will Ihm Zeit laſſen, daß Er ſich nach einem Sekundanten umſehen kann! Daß Er mir aber nicht davon läuft, ſonſt erkläre ich Ihn für ewige Zeiten fuͤr infam!“
„Hier iſt meine Hand, daß ich mich ſtellen will,“ erwiderte der König und ſtreckte dem Burſchen ſeine Rechte entgegen. Arglos erfaßte dieſer die⸗ ſelbe, ſtieß aber in demſelben Augenblicke einen lauten, durchdringenden Schrei aus. Beſtürzt eilten der Wirth und einige Burſchen, welche in das Zimmer getreten waren, hinzu. Des Königs Stirn und Wangen hatten ſich vor Zorn geröthet und noch hielt er die Hand des Unglücklichen, welche er in ſeiner eiſernen Rechten zerdrückt hatte, daß die Gelenke gebrochen waren und das Blut auf den Erdboden tropfte, unbarmherzig feſt.„Sieh,“ rief er endlich, indem er die zerdrückte Hand fortſtieß,„wenn du noch Luſt haſt, dich mit mir zu ſchlagen, ſo werde ich mich morgen früh ſtellen. Du wollteſt mir das Alphabet ins Geſicht zeichnen— ich habe dir eine Warnung in die Hand geſchrieben, daß du nie wieder den Schläger gegen einen Fuchs und den Ziegenhainer gegen einen Bürger erhebſt. Ich denke, du wirſt dieſe Warnung nimmer vergeſſen. Und damit du weißt, wer ſie dir gegeben— man nennt mich Auguſt den Starken. Ich könnte dich noch härter ſtrafen, aber dieſe Lehre mag dir genuͤgen. Hier haſt du etwas, wovon du leben kannſt, denn mit deiner Rechten wirſt du nicht viel mehr verdienen.“ Mit
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