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Der Fechtmeiſter von Jena.
Eine Studenten⸗Sage.
Von
Fr. Friedrich.
Das war zu einer Zeit, als das Burſchenleben noch das flotteſte auf der ganzen Erde war, und auf den Univerſitäten nicht bloß ſchwächlich Gelehrte, ſondern kräftige und wilde Charaktere herangebildet wurden. Da ſaß der Stoßdegen noch feſt in der Hand und das Herz in der Bruſt an der Stelle, wohin es eigentlich gehört. Und zumal in Jena! Da wurden die Ehrenſachen noch auf öffentlichem Markte ausgefochten und Schläger und Stoßdegen blitzten im freien, friſchen Sonnenſchein. Die jenenſer Klingen waren weithin berühmt und gefürchtet, Jenas Burſchen ſtanden in Hieb und Stoß noch unübertroffen da, denn durch das Geſchlecht der Kreußler, welches bereits ein Jahrhundert lang die Fechtmeiſterſtelle der Univerſität inne hatte, wurden ſie eingepaukt. Und die Kreußler verſtanden ſich darauf und ſtanden einzig in ihrer Art da. Ihnen hatte noch niemand etwas anzuhaben vermocht.
Der berühmteſte aus dieſem Geſchlechte war aber Johann Wilhelm Kreußler, der Fechtmeiſter und Hauptmann der jenenſer Bürgerwehr. Das war ein kaum mittelgroßer Mann von einem faſt ſchmächtigen Wuchſe. Aber ſeine Arme waren wie aus Eiſen gegoſſen, und nie hatte ſein Auge gezuckt, wenn er zur Uebung oder im Ernſt auf der Menſur ſtand. Stoßdegen und Schläger ſchienen aus ſeiner Hand hervorgewachſen zu ſein, ſo ſicher und feſt ruhten ſie darin, und noch niemand hatte ſeine Stöße und Hiebe zu pariren vermocht. Sein Ruhm war auf allen deutſchen Univerſitäten ver⸗ breitet, und mancher Burſch zog nur deßhalb nach Jena, um ſich von ihm einpauken zu laſſen. Selbſt zu den Ohren des Churfürſten von Sachſen, Auguſt des Starken, gelangte der Ruf ſeiner Fertigkeit, und dieſer, deſſen


