Jahrgang 
4 (1859)
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44 Ein unheimlicher Mann. Von Ernſt Willkomm.

mit trauriger Stimme.Simon Habermann iſt unſchuldig. Ich war's, der dem ſchlechten Doktor an jenem böſen Nebelabend die Unzufriedenen auf den Hals hetzte, bloß um ihn zu ärgern und wild zu machen, und dieſes Rohr da hat den Mann ohne mein Zuthun erſchoſſen. Im Gedränge ſtieß jemand an den Drücker und da war das Unglüͤck, das ich erſt ſpäter erfuhr, leider geſchehen! Peter Laſſen nahm die Windbüchſe von der Schulter und legte ſie auf den Gerichtstiſch. Gonthal gab den Befehl, den Todten⸗ gräber zu verhaften. Dann wandte er ſich zu Simon, der mit geſchloſſenen Augen auf dem Seſſel ſaß und in tiefes Nachdenken verſunken zu ſein ſchien. Sie ſind frei, Simon Habermann, ſagte der Gerichtsdirektor,und das Gericht entläßt Sie, indem es ſein Bedauern wegen der Verhaftung ausſpricht, die von den Sie verklagenden Umſtänden geboten war. Der Angeredete antwortete nicht. Gonthal wiederholte die Verſicherung, daß er frei ſei. Kein Wort kam über Simons Lippen. Da ſtand Adalbert auf und erfaßte die Hand des ſtillen Greiſes. Sie ruhte ſchwer in der ſeinigen. Vom Schlage getroffen, war Simon vom Moor ſchmerzlos verſchieden. Drei Tage ſpäter ward der wunderbar begabte Mann auf dem Kirch⸗ hofe an derſelben Stelle begraben, wo am Abend ſeiner Verhaftung der Sarg quer über den Weg geſtellt war. Faſt alle Einwohner wohnten der Beerdigung des Sehers bei, den man noch lange nachher ſchwer vermißte. Peter Laſſen, der ſtreng genommen nur inſofern an dem Tode des Regimentschirurgus ſchuld war, als er in leichtſinniger Weiſe mit einem geladenen Gewehr, deſſen Gefährlichkeit er nicht genügend kannte, einen Haufen tumultuirender Menſchen zum Toben und Lärmen aufgehetzt und ſich gewiſſermaßen zu ihrem Anführer aufgeworfen hatte, verbuͤßte ſeine Schuld durch längere Freiheitsſtrafe. Alle übrigen Eingezogenen wurden unmittelbar nach Peters freiwillig abgelegtem Geſtändniß freigelaſſen. Paſtor Braun verzeichnete dies letzte, ſtets unerklärt gebliebene Ereig⸗ niß von Simons wunderbarer Sehergabe in das von ſeinem Vorfahr über⸗ kommene Tagebuch und legte ein Jahr ſpäter die Hand ſeiner Tochter Eveline in die des Gerichtsdirektors Gonthal. Den Grabhugel Simons vom Moor ließ das junge Ehepaar mit einem Steine ſchmücken, der außer dem Namen des Verſtorbenen, ſeinem Geburts⸗ und Todestage, die Worte des großen Briten enthielt:

Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem, Ich werde nimmer ſeines Gleichen ſehn!