Jahrgang 
4 (1859)
Einzelbild herunterladen

42 Ein unheimlicher Mann.

Nachricht, ohne jedoch zu erfahren, was die im Stillen ſich Berathenden wohl beabſichtigen möchten.

Da trat am ſechsten Tage nach Simons Verhaftung der Schließer in Gonthals Zimmer und machte dieſem die Meldung, der eingekerkerte alte Mann begehre mit drängendem Ungeſtuͤm ſogleich vernommen zu werden. Erwartungsvoll ließ der Gerichtsdirektor den Gefangenen vorführen. Außer dem Protokollführer wohnte dieſem Verhör auch Herr von Moosburg bei. Simon Habermann trat ein, nicht wie ein ſchuldbeladener Verbrecher, ſon⸗ dern wie ein Mann, der, vom Geiſt getrieben, eine Offenbarung zu machen oder eine ihm gewordene Miſſion zu erfüllen hat.

Haben Sie ſich eines Beſſern beſonnen, Habermann? redete Gonthal den Eintretenden an.Theilen Sie uns mit, was Sie wiſſen, damit die Unſchuldigen der Freiheit wieder gegeben, die Schuldigen aber zur Strafe gezogen werden können. Simon vom Moor heftete ſeine eigenthümlich leuchtenden Augen wie damals, als er den Sarg auf dem Kirchhof erblickte und mit ſeinem Stocke nach dem ſchattenhaften Gebilde ſchlug, auf den Ge⸗ richtsdirektor. Dann ſprach er langſam, jedes Wort ſcharf accentuirend: Ich ſpreche, Herr Gerichtsdirektor, weil es nun Zeit zum ſprechen iſt. Reden Sie, ſagte Gonthal, ſein Auge vor dem geiſterhaften Blicke Haber⸗

manns ſenkend.In einer Stunde kennen Sie den Mann, welcher den Regimentschirurgus erſchoſſen hat.Wie können Sie das wiſſen? Ich hab' ihn geſehen. Er iſt ſchon unterwegs zum Schloſſe.Simon

Habermann, bemerkte Gonthal,ich will Ihnen nicht wehren, daß Sie ſich an Ihren eigenen Einbildungen ergötzen, vor Gericht aber kann ich die⸗ ſelben als Beweismittel nicht gelten laſſen.

Es ſoll auch nichts damit bewieſen werden, verſetzte mit unerſchüt⸗

terlicher Ruhe Simon vom Moor,es drängt mich bloß zu ſagen, was

geſchehen wird, und ich ſage dies jetzt, weil ich nach Ablauf einer Stunde vermuthlich nicht mehr fähig ſein werde, auf Ihre Fragen Antwort zu geben.* Sein Name? forſchte Gonthal weiter.Der Mann wird ſich ſelbſt nennen.Bekennt er ſich freiwillig zu dem Verbrechen?Er läug⸗ net nicht, den unglücklichen Schuß gethan zu haben.Mit welcher Waffe?Er bediente ſich dazu meiner Windbüchſe.Mit Ihrem Willen, Simon Habermann?Ich wußte von nichts.Wie ge⸗ langte der Mann, den Sie mit ſo großer Beſtimmtheit des Attentates be⸗ ſchuldigen, in den Beſitz Ihrer Waffe?

An meinem Eigenthum pflegt ſich niemand zu vergreifen, verſetzte