Jahrgang 
4 (1859)
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40 Ein unheimlicher Mann.

wem er gehört, für wen er beſtimmt iſt? fuhr Simon fort.Mein Sarg iſt's, Herr Gerichtsdirektor, und da werden Sie mich in die Erde ſenken, ehe die Sonne neunmal auf⸗ und untergeht! Das graue, tiefe Auge des unheimlichen Mannes lag auf ihm, wie der Blick eines Geiſtes.

Der Mond täuſcht uns Beide, ſagte Gonthal ſtotternd.Glaub's nicht, Herr Gerichtsdirektor, verſetzte Simon vom Moor, hob ſeinen Kno⸗ tenſtock und führte mit aller Kraft einen Schlag gegen den Sarg. Der Stock traf die Erde, aber das Gebilde verſchwand nicht. Dem Gerichtsdirektor bebten die Knie, als Simon ihn ſeitwärts drängte und zugleich mit ihm den phantaſtiſchen Sarg umging. Die einige Schritte zurückgebliebenen Gerichts⸗ diener folgten auf gleichem Umwege.

An der Kirche angelangt, trat Simon vor die verſchloſſene Thuͤr, nahm ſeine Mütze ab und betete ſtill ein Vaterunſer. Gonthal vermochte es nicht. Als der Gefangene ſich wieder bedeckte, deutete er ruͤckwärts auf den Weg. Was ſehen Sie jetzt? fragte er mit ſeltſamem Lächeln. Der Weg lag frei da im hellen Mondenlicht.Mir flirrt es vor den Augen, ſagte Gonthal.Laſſen Sie uns eilen! Hier iſt es unheimlich.Unheim⸗ lich! lachte der greiſe Mann.Luſtig kann manss freilich nicht finden, wenn man ſich ſelber den Tod anſagen muß!

9. Simons Ende.

Bei der gerichtlichen Obduction der Leiche des Regimentschirurgus fand man die Kugel in der Nähe des Rückgrats. Schon die Form derſelben machte es zweifellos, daß ſie nur aus dem Rohr einer Windbüchſe abgefeuert worden ſein konnte. Der Verdacht gegen Simon, der ſein Alibi nachzuweiſen keine Anſtalt machte, mehrte ſich und nahm beſonders deßhalb an Wahr⸗ ſcheinlichkeit zu, weil die ihm zugehörende Windbüchſe nicht aufzufinden war. Dennoch hatte der unheimliche Mann nicht das Ausſehen, nicht die Haltung eines Verbrechers. Er ſaß ruhig in ſeinem Gefängniß, erſchien eben ſo ruhig vor Gericht und beantwortete alle ihm vorgelegten Fragen mit der ihm eigenen trockenen Beſtimmtheit. Ohne den Beweis führen zu können oder zu wollen, daß er nicht der Thäter ſei, läugnete er die That ſelbſt doch mit großer Ruhe.

Herr von Moosburg, mehr noch der Gerichtsdirektor Gonthal, befan⸗ den ſich in einer höchſt unangenehmen Lage. Die Volksmenge, welche in Simon vom Moor ihren Rathgeber und Helfer ſah, ward unruhig. Schon