Jahrgang 
4 (1859)
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30 Ein unheimlicher Mann.

chirurgus, der zögernd und unſchlüſſig ſein Beſteck zog. Der Gerichtsdirektor gewahrte, daß Borſtendorns Hand zitterte.Himmel, ſo eilen Sie doch! rief er ungeduldig aus.Sehen Sie denn nicht, daß das arme, liebe Ge⸗ ſchöpf ganz im Blute ſchwimmt? Gibt es kein Mittel, die Wunde zu ſchließen?An dieſer fatalen Stelle wird das ſchwer halten, verſetzte mit erzwungenem Gleichmuthe der offenbar ſelbſt beſtürzte und unſchluſſige Regimentschirurgus.Man kann weder eine Compreſſe, noch einen Ver⸗ band anlegen. Vielleicht iſt die Ader auch ganz zerriſſen.O mein Kind, mein Kind! jammerte die Mutter. Cveline erbleichte ſichtbar und ihre Kräfte begannen zu ſchwinden.Sie verblutet ſich! ſprach Gonthal in größter Aufregung.Was können wir thun? Er blickte rathlos um ſich und ſein Auge traf Adalbert, der eben die Hand an ſeine Stirn legte und ſcharf nach dem Eingange des Schloßhofes ſah. Die Geſichter der im Hofe verſammelten Menge waren in ſchweigender Erwartung dem Balkon zugekehrt.Es iſt unmöglich, die Ader zu ſchließen, lallte in ſteigender Verwirrung und völliger Rathloſigkeit der Regimentschirurgus.

Da kommt Simon vom Moor, ſprach Adalbert.Laſſen wir jedes Vorurtheil fahren und rufen ſeine Hüͤlfe an! Gonthals Stirn verfinſterte ſich.Und wenn der Narr hexen könnte, hier vermöchte er doch nicht zu helfen, verſetzte er kleinlaut.Simon vom Moor! Simon, rette! Ah idet Gott! So riefen viele Stimmen wirr durcheinander.

Eg war Habermann. Die lange, hagere Figur ſchritt mit großen Schritten näher. Adalbert rief ihm zu und winkte ihm.Rette eine Un⸗ gluͤckliche! ſprach er.Ich weiß, Simon, daß du es kannſt, wenn du willſt! Wir alle haben das größte Vertrauen zu dir! Simon vom Moor blieb mitten auf dem Hofe ſtehen. Statt der Bütte, die er gewöhnlich trug, hing ihm heute an breitem Lederriemen eine alte, plumpe Windbüchſe über der Schulter, mit der er bisweilen auf dem Moor Möven ſchoß. Er zog grüßend ſeine Bibermuͤtze vor dem Schloßherrn, ſagte aber trocken und ruhig:Ich darf nicht, Herr von Moosburg! Der Herr Gerichtsdirektor hat mir bei ſchwerer Strafe alles Kuriren verboten.

Durch die verſammelte Menge lief ein drohendes Murmeln. Adalbert wandte ſich an Gonthal.Widerrufen Sie ſelbſt Ihren Befehl, lieber Gon⸗ thal, ſprach er leiſe.Sie ſehen, hier iſt Gefahr im Verzuge! Schon athmet die Aermſte nur ſchwach noch, die Augen ſchließen ſich, ſie wird bleicher und bleicher und der Blutquell ſpringt noch immer! Gonthal ſah den Regimentschirurgus drohend an.Können Sie helfen oder