Jahrgang 
4 (1859)
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Von Ernſt Willkomm. 29 ſo in dem geräumigen Schloßhofe, wo noch eine Menge Bauholz aufgeſchichtet das lag, genügenden Platz fanden. Die Beamten von Moosburg, und der ent⸗ Pfarrer mit Frau und Tochter, nahmen auf einem Balkon des weit vor⸗ gniß ſpringenden rechten Flügels Platz, wo neben dem Herrn von Moosburg und nem Beatrix Sitze fuͤr die beſonders eingeladenen Honoratioren errichtet waren. illi⸗ Der Tag war heiter, die Luft mild. Unter der rieſigen, mit bunten

flatternden Bändern geſchmückten Laubkrone, die auf dem äußerſten Gebälk des des Giebels prangte, ſtand das ganze Korps der Zimmerer. Ein junger, nta⸗ ſtattlicher Mann, der Polirer, trat, als alles vorbereitet und der ganze um Schloßhof mit neugierig Schauenden bedeckt war, an den ſchwindelnden Rand

zerr des Giebels und hielt eine gereimte Anrede an den Bauherrn, die freilich nur aen von wenigen ihrem ganzen Inhalte nach verſtanden ward. Nach glücklicher

uſ Beendigung dieſer Rede wurden die üblichen Lebehochs ausgebracht, bei jedem onſt gung)) 9

da einzelnen Hoch von dem Polirer ein Glas geleert und dieſes uraltem Ge⸗ da 5 9

ligt brauche gemäß in die Tiefe geſchleudert.

de⸗ Durch einen unglücklichen Zufall zerſchellte das vorletzte dieſer kleinen, hen aber ſtarken Spitzgläſer, das in der ſonnigen Luft einen weiten Bogen be⸗ 9 ſchrieb, auf dem Steingeſims des Balkons, welchen der Schloßherr mit ſeinen

Gäſten eingenommen hatte. Ein ſcharfer Glasſplitter flog aufwärts und bohrte ſich dicht unter dem rechten Auge Eveline's ein. Unter lautem Auf⸗ ſchrei trat das junge Mädchen zurück, überrieſelt von Blut, das im Bogen aus der ſchmalen, aber tiefen Wunde ſprudelte. Der Glasſplitter hatte eine Ader durchſchnitten. Unter den Zuſchauern entſtand ſofort eine große Be⸗ wegung. Jeder mochte das beſcheidene, freundliche Mädchen gern leiden, und eine Menge Stimmen riefen, die eine dies, die andere jenes Mittel, je nach⸗ dem man die Wirkſamkeit deſſelben erprobt haben wollte.

Gonthal, der neben der Verwundeten ſaß, zog ſogleich ſein Taſchen⸗ tuch, um dem heftigen Hervorſtrömen des Blutes wo möglich Einhalt zu

thun, und rief dann mit lauter Stimme:Borſtendorn! Herr Regi⸗ eenn mentschirurgus! Wo zum Henker ſtecken Sie denn? Geſchwind, thun unſt Sie Ihre Pflicht! Der Gerufene drehte ſich den weißen Schnurrbart,

rollte die Augen und trat zögernd neben die blutende Eveline.Wie iſt inter Ihnen? fragte Gonthal.Fühlen Sie ſich ſchwach? Bitte, bitte, bleiben zum Sie ruhig! Cveline's Mutter war vor Schreck einer Ohnmacht nahe, im Beatrix befahl Waſſer und Schwämme zu bringen, der Paſtor ſchlug ſein dem

Auge bittend zum Himmel auf. rden.Iſt die Wunde gefährlich? fragte jetzt Gonthal den Regiments⸗