28 Ein unheimlicher Mann.
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Erlaubniß dazu gebe, das Bein noch einmal zerbrechen und es ihm dann ſo wieder anheilen, daß es eben ſo gerade, geſund und ſtark werde, wie das geſunde. Peter Laſſen konnte ſich zu dieſem Manöver freilich nicht ent⸗ ſchließen, geſetzt aber, er hätte wirklich den Muth dazu gehabt, das Wagniß zu beſtehen, ſo würde doch Gonthal zu einer ſo gefährlichen Operation einem Manne, den er noch immer für einen ſchlauen Betrüger hielt, ſeine Einwilli⸗ gung nie gegeben haben.
Dieſe Vorfälle erzeugten unter der Mehrzahl der Umwohner des Schloſſes Moosburg eine ſehr gereizte Stimmung gegen den Regiments⸗ chirurgus. Die unruhigſten Köpfe beriethen ſich, was wohl zu thun ſei, um den brutalen, anmaßenden, unliebſamen Mann, den der verſtorbene Herr aus dem Kriege mit heim gebracht und ihnen zum Doktor aufgedrungen hatte, los zu werden. Gewalt brauchen konnte und durfte man nicht, ſonſt wäre eine Verjagung Borſtendorns jedenfalls das Einfachſte geweſen. Nach längeren Berathungen, bei denen Peter Laſſen als ganz beſonders betheiligt, mit zugegen war, beſchloſſen die Unzufriedenen, an den Schloßherrn eine De⸗ putation zu ſchicken und förmlich um Entlaſſung Borſtendorns nachzuſuchen.
Adalbert war dieſer Vorfall äußerſt unangenehm. Im Stillen gab er ſeinen Unterthanen recht, weil er die Kenntniſſe des Regimentschirurgus ſelbſt nicht ſehr hoch anſchlug, in die gänzliche Entlaſſung des alten Herrn konnte und wollte er aber nicht willigen. Die Bittenden mußten ſich mit der Verſicherung begnügen, Adalbert würde die Sache reiflich erwägen und daran denken, einen jungen, gründlich gebildeten Arzt, ſobald es ſich thun laſſe, nach Moosburg berufen. Der Name Simon Habermann wurde weder von Adalbert, noch von den Petirenden genannt.
Der Regimentschirurgus hörte von dieſem Schritte ſeiner Gegner und trat nur noch ſchroffer auf. Es leuchtete ihm ein, daß der Quackſalber vom Moor, der bäueriſche Ignorant, für immer aus dem Felde geſchlagen ſei. Einen Andern aber, und wäre es Aeskulap ſelbſt geweſen, fürchtete der Mann der Erfahrung nicht, der auf hundert Schlachtfeldern Wunder ſeiner Kunſt an ſchon Halbtodten verrichtet hatte..
So kam der Frühling heran. Der im Ganzen ziemlich gelinde Winter hatte die Arbeiten auf Schloß Moosburg bedeutend gefördert. Der zum Theil niedergebrannte Dachſtuhl des eigentlichen Mittelbaues war ganz im alten ſpitzgiebligen Stil wieder aufgerichtet worden und ſollte noch vor dem Oſterfeſte durch die Aufſetzung des üblichen Kranzes feierlich gerichtet werden. Zu dieſem Feſte fanden ſich von Moor und Heide viele Zuſchauer ein, die


