Ein unheimlicher Mann.
6. Simon als Atzt.
Aergerlicher noch war Borſtendorn. Hatte das Landvolk rund um Moosburg dem Regimentschirurgus von Anfang an wenig Vertrauen ge⸗
ſchenkt, ſo verlor ſich dies nach dem Schloßbrande vollends. Jedermann auf
der ganzen weitläufigen Herrſchaft wußte, daß Simon Habermann den Brand vorhergeſagt, daß er dem Herrn von Moosburg das ihm bevorſtehende Schick⸗ ſal angezeigt habe. Es war ferner kein Geheimniß für die Menge, wie hoch namentlich Fräulein Beatrix den ſo eigenthümlich begabten Mann achtete, und ſo wandte ſich ſeit jenem Ereigniſſe im Stillen jeder Hülfsbedürftige dem zurückgezogenen lebenden Alten auf dem Moor wieder zu. Dabei aber verſtand Simon es doch ſo einzurichten, daß Gonthal niemals Gelegenheit fand, ihn anzufaſſen und der Nichtachtung ſeines Verbotes zu überführen.
Herbſt und Winter vergingen ohne auffälliges Ereigniß. Hin und wider hörte man wohl von Aeußerungen, die Simon Habermann gethan haben ſollte, ſie ließen ſich aber niemals genau verfolgen. Simon ſelbſt hielt ſich ruhig, und zu einer wirklichen Kur ließ er ſich nicht bereden. Zu pro⸗ phezeien mochte es nichts geben. Hatte der ſonderbare Mann auf ſeinem Moor oder wenn er durch die endloſen Heiden pilgerte, keine Viſton, ſo erfuhr niemand etwas von ihm. Er war dann nur fleißiger Beerenſammler, ging mit dem gewonnenen Ertrage derſelben hauſirend von Hof zu Hof, von Ort zu Ort, ertheilte heimlich Fragenden in aller Ruhe ſeine Rathſchläge, wenn kein Verdächtiger ihn beobachtete, und kümmerte ſich im Uebrigen weder um das, was im Schloſſe, noch außerhalb deſſelben vorging.
Den Gerichtsdirektor, der Simon ſtets mit argwöhniſchen Blicken be⸗ trachtete, mied er, ebenſo den Regimentschirurgus. Dieſer bekam übrigens im Laufe des Winters doch etwas zu thun. Einzelne Umwohner des Schloſ⸗ ſes hatten Ungluͤck. Sie fielen auf Glatteis und beſchädigten ſich ſo ſchwer, daß die eigenen Hausmittel, die man etwa anwendete, doch nicht ausreichten. Simon vom Moor aber hütete ſich wohl, bei ſo eklatanten Fällen, die nicht lange verborgen bleiben konnten, mit ſeinen Rathſchlägen den Beſchädigten hülfreich beizuſpringen. Da blieb denn zuletzt nur der Feldſcheer mit ſeinen Zangen und Sägen übrig. 4
Borſtendorn war höchlichſt erfreut, daß die Wiſſenſchaft, wie er ſich laut und bramarbaſirend rühmte, den Sieg über den unwiſſenden Charlatan


