Von Ernſt Willkomm. 25
ſeiner Unterthanen für gefährlich hielt.„Folgen Sie diesmal meinem Rathe,“ ſprach er dringend.„Er iſt der beſte für Sie wie für mich! Aber Sie haben freie Hand, zu thun, was Sie wollen, wenn Simon ein falſcher Prophet war! Ich wünſche es, und zwar von Herzen, denn ſein Wiſſen und Vor⸗ herſehen iſt mir ſo unbequem, daß ich gar nichts dagegen hätte, zeigte er mir ſeinen Entſchluß an, ſeinen Wohnort mit einem andern vertauſchen zu wollen.“
Gonthal war genöthigt, dem Wunſche des Herrn von Moosburg ſich zu fügen. Er that es mit Widerſtreben, innerlich geärgert und doch von banger Unruhe gepeinigt. Die Hütte Simons ward auf ſeinen Befehl ſcharf bewacht, Tag und Nacht, zu jeder Stunde. Dem unheimlichen Manne konnte dieſe im Geheim angeordnete Belagerung ſeines kleinen Eigenthums nicht verborgen bleiben. Er lächelte darüber, hielt ſich aber meiſtentheils vor dem kleinen Hauſe auf, um den zu ſeiner Beaufſichtigung an den Grenzen des Moor lungernden Poſten zu zeigen, daß er daheim ſei und dem Schloſſe Moosburg mit keinem Schritte nahe komme.
Dieſe Ueberwachung des gefürchteten Sehers währte zwei volle Tage und drei Nächte. Am dritten Tage verfinſterte ſich der Himmel, ein Wetter⸗ ſturm, wie die älteſten Leute ſich eines ähnlichen nicht erinnerten, rollte die Brandungswogen der See in ſolcher Höhe und mit ſo furchtbarer Gewalt gegen die niedrigen Schutzmauern der Dünen, daß dieſe an einigen Stellen von den Fluten durchbrochen wurden und das Salzwaſſer in dem hinter den Dünen gelegenen fruchtbaren Lande bedeutende Verwüſtungen anrichtete. Endlich entlud ſich ein lang anhaltendes Gewitter. Ein Blitz zündete den hohen Mittelgiebel von Moosburg, und das auflodernde Feuer zerſtörte den oberſten Theil des alten Dachſtuhles. Der eigentliche Schloßbau litt wenig von dem Feuer und die getroffenen Vorkehrungen erwieſen ſich unnöthig.
Während des Brandes ſtand Simon Habermann ruhig unter der Thür ſeiner Huͤtte, rauchte eine kurze Pfeife und beobachtete mit ſcharfem Auge den Zug der Feuerwolke, die funkenſtreuend weit in die Heide hinaus wehte.
Gonthal knirſchte vor Aerger, und es fehlte wenig, ſo wäre er vor Adalbert hingetreten und hätte dieſem angezeigt, daß er es für einen Beweis ſeiner Freundſchaft halten wuͤrde, wenn er ihn ſeiner amtlichen Stellung entheben wolle. Nur der Wunſch, die Natur dieſes unheimlichen Mannes, der ihm wie der Dämon von Moosburg vorkam, mit der Zeit ergründen zu können, verbunden mit dem Verlangen, dem Freunde und deſſen Unter⸗ thanen nützliche Dienſte zu leiſten, hielt ihn von einem Schritte zurück, den er ſonſt für vollkommen gerechtfertigt erachtete.


