24 Ein unheimlicher Mann.
Mal, daß Simons Wort zur Wahrheit würde. Ich habe vergeſſen, auf meinen alten Zinnen Blitzableiter anzubringen.“
„Das Geruͤcht von dieſes Alten beunruhigender Prophezeiung iſt ſo eben auch mir zu Ohren gekommen,“ ſprach Gonthal.„Ich wollte es Ihnen mittheilen, nicht um Sie damit zu erſchrecken, ſondern um mit Ihnen zu berathen, was in Folge deſſelben wohl mit dem zu thun ſei, der es aufge⸗ bracht hat. Die ganze Gegend iſt bereits, wie ich höre, voll davon, und Simons Anſehen muß vorausſichtlich unglaublich gewinnen, wenn es nicht möglich wird, dem Volke zu beweiſen, daß ſein Geſchwätz allen Grundes entbehrt. Mich dünkt, der Moment iſt jetzt gekommen, den Mann einzu⸗ ziehen.“— Adalbert deutete auf die Landſchaft, über welcher unbeweglich ein gelblicher Nebel ſtand, der die Sonne nur wie eine braunrothe Scheibe durchſchimmern ließ.„Betrachten Sie dieſe Luft, lieber Gonthal,“ ſagte er mit ruhiger Gelaſſenheit.„Sie kennen nicht unſere Moorgegenden. Wenn dieſer Dunſt, der jetzt ſchon nach Schwefel riecht, ſich zu Wolken verdichtet, dann haben wir entweder gefährliche Gewitter oder orkanähnliche Stürme zu gewärtigen. Die Einkerkerung Simons vom Moor, deſſen Sehergabe nie⸗ mand, der ihn ſeit Jahren kennt, wegläugnen kann, wird die Geſetze der Natur nicht verändern.“
„Sie berufen ſich auf die Geſetze der Natur,“ fiel Gonthal ein,„und glauben doch an etwas, das dieſen Geſetzen ſpornſtreichs zuwider iſt!“— „Mir will das nicht einleuchten. Ein nicht ergründetes Naturgeſetz bleibt deßhalb nicht weniger Geſetz. Wir kennen bis jetzt nur das Vorhandenſein einer in der menſchlichen Natur liegenden Sehergabe, der Urſprung derſelben
blieb uns zur Zeit noch verborgen.“—„Wenn ich Sie recht verſtehe, ſo wünſchen Sie, daß Simon vom Moor unangetaſtet bleiben ſoll?“ ſagte Gonthal verſtimmt.—„Beobachten Sie ihn, laſſen Sie ihn verfolgen,
thun Sie alles, was Sie für räthlich halten oder was Ihnen, wie Sie meinen, Ihre Pflicht gebietet, legen Sie aber jetzt nicht Hand an ſeine Perſon. Die ganze Bevölkerung der Herrſchaft Moosburg würde Sie einen ſolchen Eingriff in die perſönliche Freiheit entgelten laſſen. Sie murrt ohnehin ſchon, weil Simon ſich hartnäckig weigert, Fragenden Antwort zu geben.“— Der Regimentschirurgus rollte die Augen drohender als gewöhn⸗ lich und drehte ſich mit Heftigkeit den Schnurrbart.„Wäre ganz anders, wenn der Herr Oberſt noch lebte!“ ſagte er brummend.
Adalbert beachtete dieſen Einwurf nicht, ihm lag nur daran, den Ge⸗ richtsdirektor von einer Handlung zurückzuhalten, die er bei der Stimmung


