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Von Ernſt Willkomm. 23
Der Bediente warf einen mißtrauiſchen Blick auf Borſtendorn, der brummend und die Augen rollend ſeinen Schnurrbart drehte, fügte ſich aber ſogleich dem Verlangen des Gerichtsdirektors. Gleich darauf hörte dieſer die Stimme ſeines Freundes, die etwas haſtig dem Bedienten nachrief:„Laß die Herren nur unverweilt eintreten!“
Gonthal folgte dieſem Rufe. Er fand Adalbert vor einem großen Koffer, der mitten im Zimmer ſtand und mit einer Menge ſeltener Koſtbar⸗ keiten, zum Theil von großem Werthe, vollgepackt war. Andere Werth⸗ gegenſtände, meiſtens von hohem Alter, lagen noch auf Tiſchen und Stuͤhlen zerſtreut. Ueberhaupt herrſchte in den ſonſt ſehr ſauber gehaltenen Gemä⸗ chern des Fräuleins eine Unordnung, als ſei Beatrix im Begriff, einen Umzug zu veranſtalten.
„Was ſoll dies bedeuten?“ fragte Gonthal, die Geſchwiſter begrüßend. „Wollen Sie Moosburg etwa verlaſſen? Wohl gar auf längere Zeit ver⸗ reiſen?“— Adalbert lächelte, konnte aber doch die innere Unruhe, welche ihn offenbar beherrſchte, nicht völlig verbergen.„Nicht doch, lieber Gon⸗ thal,“ verſetzte er mit erzwungener Heiterkeit.„Wir gedenken Beide in Moosburg zu bleiben, aber wir wollen uns gegen alle Eventualitäten ſicher ſtellen.“—„Haust etwa eine Räuberbande auf den Heiden und Mooren?“ fragte Gonthal, ungläubig lächelnd.„Ich dachte, in den letzten paar Mona⸗ ten hätte ich unter dem landläufigen Geſindel ganz artig aufgeräumt.“— Adalbert bog ſich jetzt zu Gonthals Ohr und flüſterte ihm zu:„Wir fürchten eine Feuersbrunſt.“
Der Gerichtsdirektor ſtand wie verſteinert. Es vergingen einige Augen⸗ blicke, ehe er ausrufen konnte:„Aber Herr von Moosburg, iſt es möglich! Sie laſſen ſich von einem— einem— unheimlichen Menſchen zu Ihren Handlungen beſtimmen?“—„Lieber Gonthal,“ erwiderte Adalbert, den Gerichtrdirektor an eins der hohen Bogenfenſter fuͤhrend, aus denen man den geräumigen Schloßhof, die Erdumwallung deſſelben, das wüſte Moor, Kirche und Friedhof bequem überblicken konnte,„ich fuͤge mich dem Wunſche meiner Schweſter, die ſich vor Bangigkeit kaum mehr zu helfen weiß. Sie kennen ihr Vertrauen, das ſie auf Simon Habermann ſetzt. Vor einigen
Tagen eröffnete er zuerſt meiner Schweſter, ſpäter auch mir, er ſei uͤberzeugt,
Schloß Moosburg werde von einem unabwendbaren Unglück bedroht. Nach ſeinen Mittheilungen ſah er mehrere Abende hinter einander eine rothglü⸗ hende Feuerwolke über demſelben ſtehen.“—„Und darum, meinen Sie, muß es abbrennen?“—„Es würe nicht das erſte und auch nicht das zehnte
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