Jahrgang 
4 (1859)
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22 Ein unheimlicher Mann.

Stolz gegen dieſe unheimliche Macht, die ſich nirgends faſſen und bekämpfen ließ. Er wünſchte, Simon möchte ſich zu einer recht eklatanten ungeſetzlichen Handlung fortreißen laſſen, damit er Gelegenheit erhalte, ihn zur Verant⸗ wortung ziehen zu können. Daß alsdann bei einem ſcharfen Verhör auch Dinge zu Tage kommen würden, welche den bewunderten Seher vielfach kompromittiren mußten, bezweifelte Gonthal keinen Augenblick. Er hatte bereits intereſſante Erfahrungen in dieſer Hinſicht gemacht, und mehr als ein für rechtſchaffen, ja fromm gehaltenes Individuum hatte ſich vor Gericht in einen ganz gemeinen Schurken verwandelt, der nur die Geſchicklichkeit beſaß, eine gut eingeübte Rolle auch mit routinirter Gewandtheit vor Nicht⸗ argwöhniſchen zu ſpielen.

5. Eine Prophezeiung Simons.

Eine Woche nach dieſer Unterredung Gonthals mit dem Pfarrer zog ein ſehr ſchweres Gewitter über die Gegend. Die Luft war ſchon Tage lang ſchwuͤl und drückend geweſen und es ließ ſich vermuthen, daß die angeſam⸗ melten elektriſchen Dünſte ſich in verheerenden Wettern entladen würden. Dieſe heiße, beengende Atmoſphäre gab Simon vom Moor Gelegenheit, wieder einmal eine ſeiner verfänglichen Aeußerungen laut werden zu laſſen. Der Regimentschirurgus, der noch immer nichts zu thun hatte, überbrachte dieſe Aeußerung dem Gerichtsdirektor mit triumphirender Miene.Jetzt können und müſſen Sie ihn anfaſſen, ſprach Borſtendorn entſchieden.Wie kann der Kerl ſich unterſtehen, unſerm Herrn ſo mir nichts, dir nichts den rothen Hahn auf's Dach zu ſetzen!Iſt Herr von Moosburg unter⸗ richtet? fragte Gonthal.Gegen mich hat er nichts geäußert, rund um, auf dem ganzen Moor aber ſpricht jedes Kind von dem Schloßbrande! Begleiten Sie mich, ſprach Gonthal.Ich will ſogleich Rückſprache nehmen.

Der Regimentschirurgus ließ ſich nicht zweimal dazu auffordern. Nach einigen Minuten ſtanden beide Männer in Adalberts Vorzimmer. Bediente eilten in auffallender Haſt hin und wider und ſchienen durchaus keine Zeit zu haben.Ich muß nöthigerweiſe Herrn von Moosburg ſprechen, ſagte Gonthal zu einem dieſer geſchäftigen Menſchen.Treff' ich ihn in ſeinem Zimmer?Der gnädige Herr befindet ſich bei Fräulein Beatrix. Dann meldet uns!

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