Jahrgang 
4 (1859)
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8 Ein unheimlicher Mann.

Habermann unbefugter Weiſe ſich als Arzt gerirt, kann und werde ich ihm dies verbieten, im Wiederholungsfalle ihn auch in angemeſſene Strafe nehmen.

Borſtendorn verſank in nachdenkliches Schweigen. Dann drehte er ſeinen martialiſchen Schnurrbart, rollte grimmig die Augen und ſagte: Dumm, ſehr dumm! Wenn's aber nicht anders geht, muß man ſich ja fügen. Er traf Anſtalt, ſich zu entfernen. Plötzlich aber trat er Gonthal noch einmal näher und ſprach:Den beſten Beweis von dieſes Charlatans ſchlimmem Treiben können Sie hier im Schloſſe ſelbſt erhalten, Herr Ge⸗ richtsdirektor.Hat Einer von dem Dienſtperſonal den Wunderdoktor gebraucht? Borſtendorn ſchüttelte finſter den Kopf.Das Fräulein ſelbſt, erwiderte er mißbilligend.Von dem Fräulein erfuhr ich zuerſt, daß ein Menſch dieſer Art auf der Herrſchaft Moosburg ſein unheimliches Weſen treibt.Hat Simon Habermann dem Fräulein denn Hülfe ge⸗ bracht?Fräulein Beatrix behauptet es, und darin eben liegt das ganze Unglück!

Gonthal konnte ſich eines Lächelns kaum enthalten. Die Kenntniſſe Borſtendorns, der nun einmal das Recht kraft ſeines ihm verliehenen Titels und der Vergünſtigung des verſtorbenen Oberſten beſaß, als Arzt und Chi⸗ rurgus aufzutreten, flößten dem Gerichtsdirektor keinen Reſpekt ein. Aehnlich mochte es Adalbert und deſſen Schweſter ergehen, und dies ſchien Gonthal die Haupturſache der Denunciation und der feindſeligen Haltung zu ſein, welche der Regimentschirurgus gegen den harmloſen Habermann annahm. Bei welcher Gelegenheit hat denn Fräulein Beatrirx die Huͤlfe des Mannes vom Moor in Anſpruch genommen? fragte der Gerichtsdirektor.Ich weiß es nicht und will es nicht wiſſen, erwiderte Borſtendorn barſch,denn ich werde nie zugeben, daß ſich mit bloßem Anſehen und Anblaſen böſe Schäden und ſchwere Krankheiten heilen laſſen! Es mag das möglich ge⸗ weſen ſein vor alten Zeiten, wo es noch keine rationelle Heilkunſt gab, und die meiſten, die ſich Aerzte ſchimpfen ließen, zu geheimnißvollen Dingen ihre Zuflucht nehmen mußten, um irgend eine Wirkung vor blöden leichtgläubi⸗ gen Augen zu erzielen. In unſern aufgeklärten Tagen läßt man ſich aber nicht mehr täuſchen.

Es ſcheint, Fräulein Beatrixr nimmt Ihren Gegner in Schutz, be⸗ merkte Gonthal lächelnd.Sie thut es nur, um mich zu ärgern und heftig zu machen. Eben deßhalb will ich dem gnädigen Fräulein zeigen, was Arzneikunſt heißt, und was es auf ſich hat, einem wirklichen examinirten Arzte gegenüber zu ſtehen!Und Herr von Moosburg? fragte Gon⸗

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