Jahrgang 
4 (1859)
Einzelbild herunterladen

4

Von Ernſt Willkomm. 7

ſchlechterdings nichts zu thun und müßte verhungern ohne die Großmuth des Herrn von Moosburg.Was für Krankheiten heilt denn Ihr wie hieß er doch?Simon Habermann das Volk nennt ihn Simon vom Moor, weil ſeine halb verfallene Hütte ganz einſam zwiſchen den Moor⸗ tümpeln ſteht. Es friert Einen ſchon von weitem.Ich erinnere mich, das einſame Haus geſehen zu haben. Was aber heilt Simon Habermann?

Alles, Herr Gerichtsdirektor, innerliche Krankheiten und äußerliche Schäden, was aber das Allerſchlimmſte iſt, er macht ſeine Kuren ganz gegen die Geſetze der Wiſſenſchaft und Natur.Dann thut er wohl gar Wun⸗ der?Das dumme Volk ſieht leider in dieſem Schalke einen Wunder⸗ doktor!Hat Ihnen Simon Habermann wirklich ärztlicher Huͤlfe Bedürftige abſpänſtig gemacht?Nicht einen, ein ganzes Dutzend und mehr! Verrenkt ſich Einer den Fuß, ſo läßt er ſich nach dem Moor ſchlep⸗ pen; bricht Einer einen Arm, Simon Habermann muß ihn durch bloßes Anblaſen wieder ganz machen; ſtürzt ſich Einer ein Loch in den Kopf, tief wie ein Ziehbrunnen, ein Brummen Simons vom Moor kleiſtert es auf der Stelle zu, und an Schmerzen iſt gar nicht zu denken!Das alles kann der Wundermann?Er ſagt's und die Menge glaubt's..Und Sie, Herr Regimentschirurgus?Ich erkläre ihn für einen gefähr⸗ lichen, geſetzwidrigen Charlatan und verlange als wohlbeſtallter Chirurgus der Herrſchaft Moosburg, daß ihm fernerhin ſein Quackſalbern verboten und, falls Simon Habermann gegen ſothanes Verbot ſündiget, ſelbiger in harte Strafe genommen wird.Waren Sie ſchon Zeuge einer Heilung Habermanns?

Glauben Sie, Herr Gerichtsdirektor, ich, der auf den Eisfeldern Rußlands Wunder der Chirurgie verrichtet hat und manch erfrorenes Glied, das ſchon halb abgefallen war, glücklich wieder anheilte mitten unter dem Pfeifen ruſſiſcher Kugeln, glauben Sie, ich könnte mich ſo weit erniedrigen, einer Kur dieſes ſchlechten Menſchen beizuwohnen?Ich glaube wohl, daß Ihnen dies ſehr unangenehm ſein muß, Herr Regimentschirurgus, verſetzte Gonthal,dennoch werden Sie ſich entſchließen müſſen, dieſer Tortur ſich zu unterziehen. Die bloße Ausſage Anderer, die ich nicht als Sachver⸗ ſtändige anerkennen kann, genügt mir nicht, befähigt mich wenigſtens nicht, den von Ihnen als ſo gefährlich bezeichneten Mann in ſeiner geräuſchlos betriebenen Heilkunſt zu ſtören. Nur wenn Sie perſönlich Zeuge eines Ein⸗ griffes Simons in Ihre Rechte geweſen ſein werden und außerdem zuver⸗ läßige Zeugen beibringen, welche eidlich zu erhärten bereit ſind, daß Simon