Jahrgang 
4 (1859)
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Ein unheimlicher Mann.

Erhebungen zwiſchen den Mooren viele einzelne Höfe und kleinere Wohnun⸗ gen zerſtreut. Gegen die Küſte hin erblickt man eine Reihe Windmühlen, deren mit Segeltuch überſpannten Flügel bei ſonnigem Wetter einen eigenthümlich freundlichen Anblick in der ſonſt ungewöhnlich triſten Landſchaft gewähren. Ungefähr eine Viertelſtunde von Moosburg nach der Seeſeite zu erhebt ſich auf niedrigem Hügel eine plump geformte Kirche mit einem ſehr weit⸗ läufigen Kirchhofe, der mit ſeinen verfallenen Gräbern, ſchief ſtehenden und eingeſunkenen Kreuzen uͤberaus verwildert ausſieht. Niedrige Haſelnuß⸗ ſträucher und einige Linden ſtehen zerſtreut und in unregelmäßigen Zwiſchen⸗ räumen von einander an der zerbröckelnden, hie und da ſogar ſchon ganz eingeſtürzten Mauer. Quer über dieſen Kirchhof läuft zwiſchen Kreuzen und Gräbern ein Fußſteig fort, der auch an dem etwas ſeitwärts gelegenen Pfarrhauſe vorüberführt, ſpäter die Erdumwallung des alten Schloſſes be⸗ rührt und hinter dieſer ſich in verſchiedene ſchmale Steige ſpaltet, die nach den zwiſchen Heide und Mooren zerſtreut liegenden Höfen und Häuſern geleiten. Bald nach Beendigung der Kriege, welche der Weltherrſchaft des galli ſchen Imperators ein Ende machten, ſtarb der Herr von Moosburg. Er hatte nur ein Alter von einigen fünfzig Jahren erreicht. Die Herrſchaft, deren größter Reichthum die ergiebigen Torfmoore waren, zu denen weiter landeinwärts ſich auch noch einige Dörfer mit recht wohlhabenden Einwoh⸗ nern geſellten, ſiel den beiden hinterlaſſenen Kindern deſſelben, einem bereits majorennen Sohne Adalbert und einer etwas jüngeren Schweſter Beatrix zu. Die Mutter Beider war noch während der Feldzüge geſtorben, welche der Herr von Moosburg als Oberſt mitmachte. Einige ſchwere Wunden und die unabläßigen Strapazen eines langen Lebens im Felde hatten ſeine Geſundheit geſchwächt, die ſchon im erſten Jahre eingetretener Ruhe ganz zuſammenbrach und die Leiden des Kränkelnden unerwartet ſchnell endigte. Mit dem Oberſten zugleich traf auf Moosburg ein gewaltig kriegeriſch ausſehender Mann ein, der gern ſprach, unglaubliche Geſchichten unter zahl⸗ reichen Flüchen erzählte, im Ganzen aber ſehr friedliebend war. Der Herr von Moosburg war dieſem Manne zu Dank verpflichtet, denn ihm hatte er nach einer blutigen Schlacht ſeine Errettung aus Feindes Hand und ſeine ſpätere Geneſung vorzugsweiſe zu verdanken. Borſtendorn nahm als Regi⸗ mentschirurgus zugleich mit dem Oberſt ſeinen Abſchied, und dieſer verſprach demſelben zum Dank für die ihm geleiſteten Dienſte eine Verſorgung als Arzt auf ſeiner beträchtlichen, nur freilich nicht gerade ſehr ſtark bevölkerten Herrſchaft. Borſtendorn nahm dies Anerbieten ſeines Gönners dankbar an.