Jahrgang 
4 (1859)
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Ein unheimlicher Mann.

Erzählung von

Ernſt Willkomm.

Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden, Als Eure Schulweisheit ſich träumt. Shakespeare. 1.

Eine Denunciation.

Das Motto, welches wir unſerer Erzählung vorgeſetzt haben, wird ſich trotz aller Fortſchritte der Wiſſenſchaften doch immer bewahrheiten. Die Geheimniſſe der Natur ſind ſo mannigfach wie unergründlich, und wie ſehr wir uns bemühen mögen, ihre Geſetze zu erforſchen, es wird immer ein Reſt übrig bleiben, der ſich auch dem feinſten Scharfſinne verſchließt. In der

Geſchichte, die unſerer Erzählung zu Grunde liegt, iſt nichts als die Ein⸗

kleidung erfunden. Der innerſte Kern derſelben beruht auf Thatſachen. Dieſe Thatſachen laſſen ſich ebenſowenig erklären als verläugnen, und eben deßhalb müſſen wir unſere Leſer bitten, ſich nur an das Thatſächliche zu halten. Diejenigen, welche nur das für möglich halten, was ſie ſehen, hören und greifen können, werden darüber lachen, alle Andern können daraus Stoff zum Nachdenken und Forſchen ſchöpfen.

Wenige Stunden von den Küſten der Nordſee entfernt liegt auf roſt⸗ brauner Heidefläche ein altes, verwittertes Schloß, die Moosburg. Die beiden platten Thuͤrme, die es flankiren, ebenſo das ſteile, ſpitze Dach des Mittelgebäudes ſind ſtundenweit ſichtbar; denn in einer Ausdehnung von mehreren Meilen umringen die Moosburg nur wenig angebaute Heide⸗ ſtrecken, die mit ergiebigen Torfmooren abwechſeln. Eigentliche Dörfer ſind auf dieſen Heiden nicht entſtanden, wohl aber liegen auf den trockenen

Hausblätter. 1859. IV. Bd. 1