Jahrgang 
3 (1859)
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IV

wo wir die Einfachheit mehr als einmal vermiſſen und hie und da eine Art humo⸗ riſtiſcher Reflerionen und ſonſtige Zuga⸗ ben des Verfaſſers finden, deren Noth⸗ wendigkeit wir nicht recht einſehen. Das Leben des wackern Mannes iſt ſo ſchön und anziehend durch ſich ſelbſt, daß die einfachſte Erzählung deſſelben vollkom⸗ men und für jeden Leſer genügt haben würde.

Einem ſehr bedeutenden und erfreu⸗ lichen Fortſchritt ſind wir in den zwei Büchern begegnet: Armand, Alte und neue Heimat, und Sce nen aus den Kämpfen der Mexi⸗ kaner und Nordamerikaner. Bres⸗ lau. Trewendt. 1859. Die Leſer dieſer Ueberſichten erinnern ſich vielleicht, daß uns des Verf. Buch: Bis in die Wild⸗ niß ſeiner Zeit in eine gewiſſe Ver legenheit ſetzte, da wir darin neben vielem Trefflichen ſo manches Unfertige fanden und manche Uebertreibungen zu tadeln fanden. Hier iſt es damit ganz etwas anderes. Das erſte Buch ſchildert die Erlebniſſe einer Auswanderer⸗Familie beſſern Standes auf das ergreifendſte, das andere gibt, was der Titel ver heißt. Die Romantik fehlt nicht, aber ſie überſchreitet faſt nirgends das Maß, und im Uebrigen bieten uns die Bücher ſo viel Intereſſantes, laſſen uns ſo tiefe Blicke in das wilde transatlantiſche Leben thun, daß wir ſie für eine gute und ſpan⸗ nende Lecture erklären müſſen.

Jakob Corvinus, 1) Die Kin⸗ der von Finkenrode. 2) Halb Mähr, halb mehr. Beide Bücher: Berlin. Schotte. 1859. Zwei Bücher dieſes ſchnell bekannt und beliebt gewor⸗ denen jungen Schriftſtellers, welche aufs neue ſein originelles, liebenswürdiges Talent bekunden. Das zweite Büchlein

enthält allerlei kürzere Stücke, Skizzen und Geſchichten, von denen einige vor⸗ einſt auch unſeren Hausblättern einver⸗ leibt wurden. Als eine wahre Perle nennen wir von ihnen hier das Stück: Der Student von Wittenberg. Das erſte obengenannte Buch iſt eine zuſam⸗ menhängende Darſtellung aus dem Leben einer kleinen Stadt und iſt reich an originellen Perſonen, ergötzlichen und ergreifenden Situationen, trefflichen Schilderungen. Wir finden überall den Verfaſſer der Chronik der Sperlings⸗ gaſſe, und werden uns ſtets freuen, ihm wieder zu begegnen.

Paul Stein, Der letzte Chur⸗ fürſt von Mainz. 3 Bde. Leipzig. Herbig. 1859. Es macht uns immer eine wahre Freude, wenn uns ein neues Buch des Verf. in die Hände kommt; denn wir finden in wenig Romanen der Neuzeit dieſe ſtets geſchickte und maß⸗ volle Behandlung eines immer anziehen⸗ den Stoffs. Auch hier erzählt uns der Roman die Lebens⸗ und Liebesgeſchichte von zwei jungen liebenswürdigen Leuten am Hofe des Churfürſten Friedrich Carl von Mainz auf dem Hintergrunde jener glänzenden, frivolen, zuletzt durch die franzöſiſche Revolution ſo furchtbar erſchütterten Zeit. Das Buch iſt treff⸗ lich geſchrieben und durch und durch an⸗ ziehend und erfreulich, und ſelbſt die hoch⸗ romantiſchen Ingredienzien, die uns hier und da vor Augen kommen, ſind ſo geſchickt vertheilt und behandelt, daß ſie uns als nothwendige Theile des Ganzen, als wirkliche, traurige Ausflüſſe jener wunderſamen Zeit erſcheinen müſſen. Wir wünſchen dem Buch viele Leſer.

Album. Bibliothek deutſcher Ori⸗ ginalromane. Prag. Kober u. Mark⸗

graf. 1859. Bd. 4. Mügge,