Jahrgang 
3 (1859)
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480 Kriegsbilder der Gegenwart. Von einem alten Militair.

der Befehl dazu nach beiden Flügeln des Heeres geſendet. Im Centrum ſtellte ſich die Diviſton des Prinzen von Heſſen jenſeits Cavriana auf, den Abzug zu decken; der Prinz ſelbſt, an der Spitze des Grenadier⸗Bataillons von Kaiſer⸗Infanterie, die Fahne deſſelben in der Hand, warf den vordrin⸗ genden Feind durch einen Bajonnettangriff zurück und behauptete ſich bis fünf Uhr. Dann zog er ſich mit ſeinen Brigaden Brandenſtein(Erzherzog Leopold und 19. Jäger⸗Bataillon) und Wuſſin(Kaiſer⸗Infanterie und ein Bataillon Liccaner Grenzer) fechtend ab, erreichte um 8 ½ Uhr Volta, das vom Mincio noch eine Meile entfernt liegt, und beſetzte dies auf das Zweck⸗ mäßigſte, um den Uebergang der Armee mit ihren Geſchützzügen und Trains uber die ſchwierigen Flußdefileen wirkſam zu beſchützen. Die Brigade Gab⸗ lenz(2 Bat. Grueber⸗Infanterie und das 2. Bataillon Kaiſer⸗Jäger) hatte die Höhen von Cavriana noch bis 10 Uhr Abends gehalten und ſämmtliche verſprengte Abtheilungen aufgenommen, bis ſie der Diviſton nach Volta folgte. Erſt bei Tagesanbruch des 25. Juni marſchirte ſie nach der Kriegs⸗ brücke von Ferri ab und ging nun auch über den Mincio zurück.

Der Feind war durch den ſechzehnſtündigen Kampf, nach ſeinen furcht⸗ baren Verluſten, außer Stande, durch eine kräftige Verfolgung ſeinen Sieg zu einer vollſtändigen Niederlage des Gegners zu ſteigern. Darum fehlten ihm auch die Trophäen, welche ſonſt gewonnene Schlachten verherrlichen. Wenige Fahnen, faſt nur von Leichenhaufen genommen, und wenige Ge⸗ ſchütze, wobei noch gänzlich zertrümmerte, welche nicht fortgeſchafft werden konnten! Das öſterreichiſche Heer ſtand ungebrochen zu neuen Kämpfen innerhalb ſeines ſtarken Feſtungsvierecks hinter den Flüſſen. Da ſchloſſen die beiden Kaiſer Waffenſtillſtand am 8. und bald darauf in einer Zuſam⸗ menkunft zu Villafranca Frieden. Krieg und Politik ſind nicht zu trennen.

Unſere Kriegsbilder des kurzen Feldzuges ſind damit zu Ende. Gewiß enthalten ſie in den Einzelnheiten manches, das ſich nach ſpätern ausführ⸗ lichern Mittheilungen, als bis jetzt veröffentlicht worden ſind, berichtigen wird. Im Ganzen aber glauben wir, unſern Leſern von dem Gange der Kriegsbegebenheiten und dem Verlauf der Gefechte und Schlachten ein deut⸗ liches Bild gegeben zu haben. Unzählige Opfer an Blut und Menſchenglück hat dieſer Krieg gefordert, in der Schlacht am Mincio allein auf Seiten der Verbündeten eingeſtanden 26,000 Mann, die Verantwortung dafür auf die Seele derer, welche ihn gegen Oeſterreichs gutes Recht und die geheilig⸗ ten Grundſätze ſtaatlicher Ordnung heraufbeſchworen haben!