Jahrgang 
3 (1859)
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478 Kriegsbilder der Gegenwart.

wurde die öſterreichiſche Avantgarden⸗Brigade Bils des fünften Korps, welche Solferino beſetzt hielt, vom Feinde angegriffen. Das Tirailleur⸗ gefecht entſpann ſich ſchon am Fuße der Höhe, wo die öſterreichiſchen Schützen vortheilhaft poſtirt waren, während Artillerie die Zugänge beherrſchte. Bald entbrannte hier der Kampf in ſeiner ganzen Furchtbarkeit. Baraguay d'Hilliers leitete den Angriff an der Spitze der Diviſion Bazaine, die Divi⸗ ſton Forey griff von zwei Seiten unter ſchrecklichen Verluſten an. Tapfer hielten die Brigade Bils(Kinsky⸗Infanterie und ein Bataillon Oguliner) und Puchner(Culoz⸗Infanterie und das vierte Bataillon Kaiſer⸗Jäger in vorderſter Linie bis Mittag aus. Der Feind entwickelte ſtets neue Kräfte, die Garde⸗Artillerie unter dem General Sevelinges wurde vom Artillerie⸗ general der Armee, Leboeuf, in eine Maſſe vereinigt, ſie bewarf das Dorf aus ihren gezogenen Geſchützen mit Granaten; die Diviſion Ladmirault rückte in das Gefecht, der Kaiſer unterſtuͤtzte den Angriff durch die Garde⸗ Jäger und die Brigade Manéque der Garde⸗Voltigeur⸗Diviſion Camou. Von der Ebene herauf und im Thal nördlich des Dorfes rückten ſtarke Maſſen hinter dichten Tirailleurſchwärmen heran. Der Reſt des fünften Korps, die Brigaden Koller und Gaal, wurden in das Gefecht gezogen, es gelang, mit den Reſerven nochmals die Vorhöhen zu erſtürmen, die der Feind ſchon gewonnen hatte, aber ſeine Uebermacht wuchs und ſeit Mittag neigte ſich der Vortheil auf ſeine Seite. Im officiellen öſterreichiſchen Bericht wird das erſte Korps beſchuldigt, nicht ausreichende Unterſtützung gewährt zu haben. Zwar rückte das ſiebente vor, aber es konnte Solferino nicht mehr retten. Das Regiment Reiſchach hielt noch unter Oberſtlieutenant Fröhlich die feſten Punkte mit der aufopferndſten Hingebung beſetzt, um den Rückzug des fünften und erſten Korps zu decken; dreimal ſtürmte der Feind vergebens das Schloß, endlich gelang es ihm, eine Kanone durch Menſchen auf den Gipfel der Höhe zu bringen und nun, wie erzählt wird, ſammelte ſich alles, was durch den Kampf in Auflöſung bunt durcheinander gerathen war: Jäger, Füſtliere, Zuaven, Voltigeurs, Grenadiere, in eine Sturm⸗ kolonne, von Offizieren, welche eben zur Hand waren, geführt, die Garde⸗ Voltigeur⸗Diviſion als Reſerve, und ſtürmte mit Wuth zum viertenmale, wo es denn endlich gelang, dem heldenmuͤthigen Regimente den Punkt zu entreißen. Zur Erholung wurde dann das Dorf geplündert.

Unterdeſſen hatte das zweite franzöſiſche Korps, Maec Mahon, nach einem Cavalleriegefecht gegen die Reiter-Diviſton Mensdorff, und einem