Jahrgang 
3 (1859)
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Der Tannhäuſer.

das nicht ſo genau; das ſind uns bekannte, liebgewordene Töne. Ja, wir Beide!Hol' euch der Teufel mit einander! hörte man von drüben die Stimme wieder ſagen;ich möchte den Maler und Freund wiſſen, der ſo zwei Kreaturen, wie ihr Beide ſeid, in ſeinem Atelier duldete!Dul⸗ dete? lachte der Andere.Das könnte mich allenfalls verdrießen, wenn ich nicht wüßte, wie nothwendig dir meine gute Laune iſt. Ja, wahrhaftig, Richard, ich hätte dich ſchon lange im Stich gelaſſen, aber du thuſt mir leid, und ich bin ein viel zu guter Kerl. Lachen iſt dir wie jedem vernunftigen Menſchen geſund, und wenn ich dich nicht zuweilen mit Gewalt dazu brächte, ſo würdeſt du wahrhaftig keine Zeit zum Lachen finden.

Statt zu antworten, pfiff der drüben eine heitere Melodie und verſetzte erſt nach einer längeren Pauſe, während welcher Herr Wulf ſein Affenbild genau betrachtet:Du biſt ein unverbeſſerlicher Kerl; mit dir iſt nicht zu ſtreiten. Ich erlebe es gewiß noch, daß du ſagſt, wenn du die Wände mit deinen ſcheußlichen Affengeſichtern bekleckſeſt, ſo geſchehe das mir zu Liebe, um mein äſthetiſches Gefühl zu wecken und um meinen Schönheitsſinn zu ſchärfen.Und wenn ich das ſagen wuͤrde, ſo hätte ich gewiſſermaßen vollkommen recht. Ohne die geſunde, urwüchſige und kräftige Natürlichkeit in meinen Schöpfungen wären deine Malereien ſchon lange verzuckert und verhimmelt. Erinnerſt du dich noch, wie du damals deinemMädchen im Aehrenfelde jene verfluchte Neigung des Kopfes gabſt, nach der rechten Seite hinüber, und ſie dabei links an den Himmel hinauf blinzeln ließeſt? Pfui Teufel! Du wirſt nicht leugnen wollen, oh Richard, oh mon roi! daß es damals Joco war, der dieſelbe Bewegung machte und dich aus deiner Verhimmelung wieder auf die proſaiſche Erde brachte.Wie geſagt, ein unverbeſſerlicher Kerl! tönte es hinter der ſpaniſchen Wand hervor, und dann ſang es:

Du haſt die ſchönſten Augen, Mein Liebchen, was willſt du noch mehr?

Ja, ja, auch was die ſchönen Augen anbelangt, lachte der kleine Maler,ſo haſt du dich an meinen Vorbildern erholt, guter Freund. Früher brachteſt du es nie über ſo mattes, fahles Blau hinaus. Weißt du, Vergiß⸗ meinnicht in Milch gekocht, die Farbe der Frömmigkeit und Keuſchheit ich bedanke mich dafür! Und wenn du einmal über alle Maßen natürlich und friſch ſein wollteſt, ſo nahmſt du etwas hellbraune Farbe Mond⸗ ſcheinaugen!Du biſt ein ganz unverſchämtes Subjekt! hörte man

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