14 Der Tannhäuſer.
Belieben zu dämpfen. Die Wände dieſes Ateliers waren urſprünglich von grauer Farbe, von der man aber nicht viel mehr ſieht, denn theils ſind ſie bedeckt, hier mit fertigen und unfertigen Bildern, mit Studien, Kupfer⸗ ſtichen, Lithographien, dort mit Stücken alten Damaſtes in den verſchieden⸗ ſten Farben, und wo dieſe Sachen noch einen freien Platz übrig ließen, da ſehen wir mit Kohle und mit Farbe, wie früher auf den Fenſterſcheiben, ge⸗ malte menſchliche Köpfe und Affengeſtalten; namentlich ſind die letzteren in faſt erſchreckender Anzahl vorhanden, glücklicherweiſe aber nur in Einem Theile des Ateliers. Dorthin fällt auch zuerſt unſer Blick, denn der andere Theil des, wie ſchon früher bemerkt, größern Gemaches iſt durch eine Art ſpaniſcher Wand von dieſem abgetrennt.
Welchen von den zwei Malern wir hier an der Staffelei vor uns haben, darüber kann kein Zweifel herrſchen. Das dort aufgeſtellte mäßig große Bild zeigt uns wie die Viſitenkarte draußen, im Munde des Affen hier ſogleich den Herrn Friedrich Wulf, der zuſammengebückt daſitzt und an einer Darſtellung ſeiner Lieblingsgeſchöpfe arbeitet. Aber es iſt ein ganz eigenthümlicher Theil derſelben, den er ſich hier zum Vorwurf eines Ge⸗ mäldes gewählt; es iſt uns nicht möglich, denſelben beim erſten Anblick zu verſtehen; oben auf dem Bilde ſehen wir ein Brett gemalt, das an zwei Schnüren aufgehängt ſcheint; auf dieſem Brette ſitzen vielleicht ſechs bis acht Affen, von denen wir aber nur die äußerſten Partien ſehen, deren Schwänze jedoch in allen möglichen Windungen über drei Viertel des gan⸗ zen Bildes herabhängen.— Ah! beim nähern Betrachten bemerken wir, daß das Ganze eine Fenſteröffnung darſtellt, auf deren Brüſtung ſich ein unterſetzter Mann lehnt, der ein viereckiges grobes Geſicht hat und aus einem kurzen Pfeifenſtummel raucht, während er zu den Affenſchwänzen aufblickt, die wie ein Gitterwerk vor ihm herabhängen.
Wenn wir aber ſo vor dem Maler und ſeinem Bilde ſtehen, ſo flößt uns der Erſtere faſt noch mehr Intereſſe ein, als der üͤberaus ſonderbare Vorwurf des Letzteren. Herr Friedrich Wulf iſt eine kleine Perſönlichkeit, die ſehr gebückt vor der Staffelei ſitzt, mit einem kurzen gruͤnen ſ. g. Flaus beklei⸗ det iſt und auf dem dunkeln ſehr krauſen Haar ein winzig kleines Käppchen von rother Farbe trägt. Dabei ſcheint er uns von einer außerordentlichen Lebhaftigkeit zu ſein, er rückt auf ſeinem Stuhle bald hierhin, bald dorthin, beugt ſich nah an das Bild, entfernt den Oberkörper wieder von demſelben, und während ſich dieſer vor⸗ und rückwärts, nach rechts und nach links dreht und windet, ſind auch die Beine des Künſtlers in einer beſtändigen


