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Von F. W. Hackländer. 13
belebtere Seite zu gelangen— belebt durch die unvermeidlichen hohen und breiten Fenſter, die wir hier abermals ſehen und die hier wieder ſtark mit allen möglichen Farben bekleckst ſind. Ja, wir unterſcheiden verſchiedene Gegenſtände, die bunt auf ihnen dargeſtellt ſind, und mitunter Gegenſtände der ſeltſamſten Art; denn während wir uns hier faſt freuen könnten über einen edlen weiblichen Kopf, der, wenn auch in ſchwachen Umriſſen, uns deutlich entgegen tritt, ſo erſchrecken wir doch, wenn wir neben und über ihm eine Menge der lächerlichſten Affengeſichter bemerken. Ja, für dieſes Thier ſcheint der hier wohnende Kuͤnſtler eine beſondere Vorliebe zu haben, und er entwirft dabei die verzierten Köpfe deſſelben in unverkennbarer Meiſter⸗ ſchaft. Da braucht es nur ein paar Pinſelſtriche auf der Glasſcheibe, um auf's deutlichſte irgend einen Theil dieſes komiſchſten aller Thiere darzuſtellen.
Von den Bewohnern der beiden Häuſer haben wir bis jetzt noch nicht das geringſte geſehen. Während wir uns aber dem zweiten Hauſe nähern, hören wir in dem Atelier deſſelben eine laute Stimme fröhlich ſingen. Singen ſollten wir eigentlich nicht ſagen, es ſind nur luſtige Töne, die dort erſchallen, ohne Worte und Melodie:„Tralerala!— Hoh— Johdo! Ju⸗ divaleralara!“ oder dergleichen. Auch hören wir das nur mit Pauſen ver⸗ miſcht, und dann klingt auf einmal ein luſtiges Pfeifen dazwiſchen, den Schlag einer Amſel nachahmend, das Zirpen eines Sperlings oder das Locken irgend eines anderen beliebigen Vogels.
Treten wir aber näher— in das Haus hinein; mit zwei Schritten ſind wir an der Thüre, hinter der Geſang und Pfeifen erſchallt. An dieſer Thuͤr iſt ein Zettel, der uns in großen, kräftigen Schriftzügen ſagt, daß wir vor dem Atelier des Malers Richard Tannhäuſer ſtehen. Doch halt! er wohnt hier nicht allein; von dem Zettel abwärts geht ein Strich mit rother Farbe in Form einer Schönheitslinie, die ſich unten ſcharf aufwärts krümmt, ſo eine Ranke bildend, auf der ſich ein vortrefflich gemalter Affe wiegt, an deſſen Kopf eine Viſitenkarte angeklebt iſt, als wenn er ſie zwiſchen den Zähnen hielte, und auf der man liest: Friedrich Wulf.
Dieſe Thüre wie jede andere öffnet ſich vor uns, ohne daß wir an⸗ klopfen und ohne daß wir geſehen werden; führen wir auch den geneigten Leſer ebenſo unſichtbar in das ziemlich große Gemach.
Es iſt ein Maleratelier, wie wir ſchon oft geſehen. Dort vor uns nach Norden zu das hohe und weite Fenſter, oben mit einem Vorhang ver⸗
ſehen, den man nach Belieben aufziehen und herablaſſen kann; unten ſind
mit Papier bezogene Rahmen, ebenfalls um das Licht zu ſpannen und nach


